Kayhausen - Unterkriegen lässt sich Gerhard Langner nicht so leicht. Nicht zuletzt der Kampf gegen die weißrussische Bürokratie in den zehn Jahren seiner Hilfstransporte hat den 71-Jährigen abgehärtet. Jahr für Jahr musste er an der Grenze kämpfen, damit auch alle Pakete die Adressaten in Mogilew erreichen.
Doch jetzt hat Langner eine herbe Enttäuschung hinnehmen müssen. Einen großen Wunsch will er den Kindern und behinderten Menschen in der weißrussischen Stadt noch erfüllen: einen Bus. Im Internet schien er fündig geworden zu sein: In Dänemark hatte er einen alten Mercedes mit 20 Sitzen ausgemacht, fast 30 Jahre alt, für einen Diesel mit 390 000 Kilometern aber recht wenig gelaufen. Auch das Gespräch mit dem Händler habe gestimmt, der sich am Telefon sogar von 4000 auf 3600 Euro herunterhandeln lassen habe, so Langner. „Die Beschreibung und die Bilder waren top. Einige kleine Fehler hatte der Anbieter beschrieben.“
Zurück mit leeren Händen
„Der Schock“ kam dann am Montag. Mit dem Zug war Langner nach Dänemark gereist. „Der Händler hat mich sogar am Bahnhof abgeholt.“ Was der 71-Jährige auf dessen Hof dann aber zu sehen bekam, „können Sie gar nicht glauben.“ Die halbe Tür sei weggerostet gewesen, die Sitze seien total ruiniert gewesen. „Da hätte ich 5000 bis 6000 Euro reinstecken müssen.“ Geld, dass er nicht hat. Das Schlimmste für Langner aber: „Der Mann hatte nicht einmal ein schlechtes Gewissen.“ Ohne Bus, dafür „bitter enttäuscht“ und „niedergeschlagen“ ist der 71-Jährige zurückgekehrt.
„Aber mein Mut kommt schnell wieder“, betont Langner. „Ich bin ein Stehaufmännchen.“ Und: „Ich lasse die Menschen in Mogilew aber nicht im Stich“, verspricht er. „Einzelne Wünsche versuche ich auch künftig zu erfüllen.“ Deshalb will er weiter suchen, nach einem Bus mit 18 bis 20 Sitzen, mit dem Kinder und Behinderte vom Land in die Stadt gefahren werden können. Wer Langner bei der Beschaffung eines ausrangierten Busses, der technisch in Ordnung ist, behilflich sein will, kann sich unter
Fahrt noch dieses Jahr
Jetzt aber drängt ein wenig die Zeit. Eigentlich wollte Langner im November ein weiteres Mal die 28-stündige Busfahrt auf sich nehmen. „Ich will das unbedingt in diesem Jahr noch schaffen.“
Und weil in so einem Bus Platz ist – wenn auch nicht so viel, wie auf den 40-Tonnern, die er die vergangenen Jahre mit zahlreichen Helfern beladen hat –, will er noch einiges mitnehmen. Das SOS-Kinderdorf hat dem Kayhauser eine Liste mit Dingen zukommen lassen, die sie sich sehr wünschen – darunter Babykleidung ebenso wie Jacken und Schuhe für Kinder und Teenager. Aber auch Kinderwagen und -betten, Schlittschuhe, Kinderfahrräder, Kindertrecker, Skateboarde und Inline-Skater werden gewünscht – Dinge, die das SOS-Kinderdorf nicht selber anschaffen kann. Und Langner hat schon eine Idee, wie er an Spenden kommen kann: „Viele Flohmarktbeschicker nehmen doch am Ende wieder viele Dinge mit nach Hause, die sich nicht verkaufen konnten. Die können in Mogilew noch viel Freude bereiten.“ Nach telefonischer Absprache können derartige Spenden bei Langner abgegeben werden.
