Das „Was-ist-was“ bei Erdgas, Autogas und Flüssiggas
Erdgas nicht gleich Erdgas:
In Deutschland werden an den Tankstellen zwei Erdgassorten angeboten: H-Gas und L-Gas. So können bei Verbrauch und Reichweite Abweichungen zu den Angaben der Automobilhersteller auftreten. Erdgasautos können beide Sorten tanken, das H(ochwertige)-Gas ist etwas teurer, hat aber auch einen höheren Energiegehalt.Außerdem gibt es Autogas:
Autogas, auch Flüssiggas genannt, ist ein Gemisch aus Propan und Butan, das als Nebenprodukt bei der Erdöl- und Erdgas-Gewinnung sowie bei der Erdölraffinierung anfällt. Autogas (Flüssiggas) ist fast doppelt so schwer wie Luft. Erdgas ist dagegenaufgrund
seines hohen Wasserstoffanteils leichter als Luft und verflüchtigt sich im Fall eines Austritts in der Atmosphäre. Als Kraftstoff lassen sich Erdgas und Flüssiggas nicht untereinander austauschen. Unterschiedliche Tankstutzen verhindern eine Verwechslungsgefahr an der Zapfsäule. Für den tatsächlichenTankpreis
von Erdgas ist sein Heizwert entscheidend. Die Energiemenge Erdgas, die einem Liter Superbenzin entspricht, kostet damit nur etwa 50 Cent, egal ob H-Gas oder L-Gas. Bei einem Durchschnittsverbrauch von sieben Litern und einer Fahrleistung von 15 000 Kilometern spart ein Autofahrer mit einem Fahrzeug der Mittelklasse damit mehr als 700 Euro im Jahr.Die Benzinpreise haben Rekordhöhen erreicht. Die NWZ sprach mit Autofahrern, die dennoch entspannt Gas geben – mit Erdgas.
Von Oliver Braun
FRIESLAND - Wenn die Autofahrer über hohe Benzinpreise schimpfen, kann Rolf Brandt darüber nur lächeln. Der Sillensteder kann auch heute, bei Preisen von mehr als 1,40 Euro für den Liter Normalbenzin, ganz entspannt Gas geben. Denn sein Opel Zafira fährt mit Erdgas.„Mehr als 50 000 Kilometer bin ich so schon gefahren – und habe jede Menge Geld dabei gespart", freut sich der Sillensteder. Da fielen inzwischen auch die Mehrkosten bei der Anschaffung von etwa 2500 Euro kaum mehr ins Gewicht. Denn 60 Prozent des Aufpreises für den Erdgas-Antrieb habe der regionale Energieversorger EWE übernommen.
Beste Erfahrungen mit Erdgas haben auch Helena Kathmann aus Accum und EgonDamrau aus Zetel gemacht. Beide tanken gerade an der Esso-Station an der B 210 in Jever und beobachten, wie sich ein paar Säulen weiter die Autofahrer die Haare raufen. Kathmann hat hier im Januar ihren Seat Toledo umrüsten lassen. 1500 Euro hat sie davon aus eigener Tasche bezahlt, den Rest hat die EWE gesponsort. „Das habe ich in ein paar Monaten wieder raus“, sagt die Accumerin.
Egon Damrau hat gleich ein fabrikmäßig auf Erdgasbetrieb optimiertes Auto gekauft. Sein Volvo Bi-Fuel hat den Erdgastank im Unterboden und büßt so kein Kofferraum-Volumen ein. Denn das ist ein Nachteil der nachgerüsteten Erdgasautos: Der zusätzliche Tank muss irgendwo im Kofferraum eingebaut werden. Da geht dann einiges an Platz verloren.
Von den Fahreigenschaften ihrer Erdgas-Fahrzeuge sind die drei Friesländer begeistert: Der „andere Sprit“ sei leise und sauber, beim manuellen oder automatischen Umschalten spüre man nicht das kleinste Ruckeln.
Auch an der Motorleistung habe sich nichts geändert. „Ich kann das System jedem empfehlen“, sagt Egon Damrau.
In Zeiten hoher Benzin- und Dieselpreise ist Erdgas tatsächlich eine kostengünstige Alternative. Ein Kilogramm Erdgas entspricht 1,2 Litern Benzin und kostet trotzdem mehr als einen halben Euro weniger. Dennoch sind auf Deutschlands Straßen gegenwärtig erst rund 30 000 mit Erdgas betriebene Fahrzeuge unterwegs. Ein Grund ist das mit zurzeit bundesweit rund 600 Stationen noch sehr weitmaschige Netz.
„Die zu weit verstreuten Tankstellen, an denen man auch Erdgas bekommt. sind eine der wenigen Nachteile“, räumt Zafira-Fahrer Rolf Brandt ein. Vielfahrer müssten jeden Tag tanken. Bei längeren Reisen schaue er deshalb vorher in den Internetseiten nach, sagt Brandt.
Helena Kathmann hat mit dem Umrüsten auch Kartenmaterial erhalten, auf dem jede Erdgas-Station in Deutschland vermerkt ist. „Meist sende ich aber eine SMS an eine bestimmte Kurzwahl und erfahre in kürzester Zeit, wo ich die nächste Gelegenheit zum Erdgastanken finde.
Im Jeverland gibt es derzeit nur Erdgas an der Esso-Station Sdunzig an der B 210 in Jever. Weitere Erdgastankstellen gibt es bei Lonecke in Wilhelmshaven, in Wiesmoor, Wittmund oder in Varel.
Ob Kleinwagen oder Kombi, immer mehr Hersteller bieten Erdgasfahrzeuge an. Der Zafira von Rolf Brandt und der Volvo von Egon Damrau sind zwar auf den Erdgas-Betrieb optimiert, beide Modelle haben aber werksseitig auch einen Zusatztank für Benzin. Auf die Sprit-Reserven greifen beide aber nur im Notfall zurück.
