Kirchkimmen - Für Arno Leggewie ist die Sache klar: Korrektheit und unternehmerischer Erfolg schließen sich nicht aus. Ganz im Gegenteil: Der anständige, verantwortungsvolle Umgang mit Beschäftigten, Kunden und Lieferanten ermögliche vielmehr erst nachhaltigen Unternehmenserfolg, meint der frühere Geschäftsführer der Straschu-Gruppe (Stuhr/Oldenburg).
Ihn wurmen die vielen Fehlentwicklungen in der Wirtschaft – die Jagd nach dem schnellen Geld, Spekulation, Korruption, Sex-Partys, allzu süße Abfindungen, Banken als Zockerbuden oder auch verantwortungsloser Umgang mit Mitarbeitern.
Jetzt hat der 71-Jährige aus Kirchkimmen (Hude/Kreis Oldenburg) in einem Buch zusammengetragen, was ihn seit Jahrzehnten auch in vielen Vorträgen bewegt. Titel: „Erfolg durch korrektes Unternehmertum – Faires Verhalten im Wirtschaftsleben zahlt sich aus“. Herausgekommen ist in Kooperation mit dem Journalisten (und früheren NWZ -Ressortchef) Klaus-Peter Jordan aus Ganderkesee eine lesenswerte Lektüre. Viele können hier etwas lernen.
Und tatsächlich ist das Buch als „Ratgeber“ gedacht. Ziel dabei letztlich: „Der Unternehmenserfolg“.
Der gebürtige Münsteraner Arno Leggewie war einst für ein Betriebswirtschaftsstudium in die Region gekommen. An der Fachhochschule Wilhelmshaven befasste er sich erstmals auch mit Unternehmensführung und las interessiert nach, als es um charakterliche Qualifikationen ging, die bei Führungskräften wichtiger als die fachliche Qualifikation sein könnten. Das fand er schon damals „sehr schlüssig“.
Dass faire, korrekte Unternehmer über Jahrzehnte zu seinem Thema wurden, lag auch an Erfahrungen im ersten Job. In jener Bremer Spedition herrschte der Chef autoritär, der Umgang war rau, die Stimmung mies, die Fluktuation groß. „Das war eine gute Schule“, sagt Leggewie heute in seinem Wohnzimmer-Sessel, weise lächelnd. „Ich habe damals gelernt, wie man es nicht machen sollte“.
Der Diplom-Kaufmann machte sich als Unternehmensberater selbstständig und merkte bei seinen Kunden: „Kleine und mittelständische Unternehmen haben oft gar keine so großen betriebswirtschaftlich-technischen Probleme. Es sind vielmehr oft Führungs- und psychologische Probleme.“ Eine Kernschwäche sei, dass man geht nicht korrekt miteinander umgehe. Leggewie musste manche frustrierte Belegschaft neu motivieren.
Der Betriebswirt übernahm dann in den 70er Jahren noch die Geschäftsführung eines Leiterplattenwerkes in der Gemeinde Bad Zwischenahn – „in Teilzeitmanagement“, wie er sagt. Das Werk ging in Straschu auf. Leggewie wurde Geschäftsführer und ab 1998 auch Miteigentümer. 2006, mit 65 Jahren, stieg er aus – ist aber überzeugt, dass man ihn in guter Erinnerung behält.
Denn der Unternehmer versuchte bei Straschu, vieles von dem umzusetzen, was er unter korrektem Unternehmertum versteht. Nach vielen Jahren Beratung, Theorie und Literaturstudium sagte er sich: „Jetzt mach ich das mal.“
Sein Ansatz besteht aus vielen Punkten. Im Mittelpunkt: der Umgang miteinander, von Verständnis und Vertrauen geprägt, und eine motivierende, zum Mitdenken anregende Arbeitsumgebung. „Konfrontationen schaffen nichts“, weiß er.
Und Leggewie sagt auch: „Der Lohn muss stimmen.“ Es dürfe nicht nur darum gehen, „den Unternehmer möglichst schnell reich zu machen“.
Nach Meinung des Autors sind zentrale Funktionen von Unternehmen auch, die Gesellschaft mit Produkten zu versorgen und zugleich eine sinngebende Existenzgrundlage für alle Beteiligten zu sein. Mit Kunden und Lieferanten müsse so gut umgegangen werden, dass „beide Freude daran haben“. Nur so könne die Basis für weitere erfolgreiche Geschäfte gelegt werden, „verlässlich korrekt“.
Ob diese Ideale nicht längst umgesetzt sind? „Ich hoffe es“, sagt der Ex-Manager. Zumindest einige im Mittelstand seien da recht weit.
Gleichwohl geht Leggewies Mission, Ethik und unternehmerisches Gewinnstreben in Einklang zu bringen, auch nach dem Buchprojekt weiter. Man wird auch in Zukunft seine Vorträge zu „Ethik in der Wirtschaft“ hören können. Und er bleibt natürlich Vorsitzender der „Gesellschaft zur Förderung der Unternehmenskultur e.V.“ (Aktion korrekter Unternehmer) in Hude.
