Oldenburg - Dr. Uwe Vaihinger lacht und räumt es ein: „Das war tatsächlich Zufall.“ Der gebürtige Baden-Württemberger wurde dadurch Oldenburger, dass er vor knapp 20 Jahren in einer Zeitungsanzeige auf eine hiesige Firma aufmerksam wurde und sich mit einem kleinen Anteil beteiligte – beim Rechenzentrum-Spezialisten VRG. Vaihinger wurde geschäftsführender Gesellschafter, und aus der Firma wurde eine regionale Erfolgsgeschichte für Informationstechnik-Dienstleistungen. Allein rund 200 000 Gehaltsabrechnungen produziert die Gruppe („Nowis“, „Micos“ u.a.) monatlich.
An diesem Sonntag wird Vaihinger 70 Jahre alt. Und er sagt für die Firma wie auch privat: „Wir bleiben hier.“ Der Unternehmer arbeitet etwas weniger als früher – aber Ruhestand? Noch nicht wirklich ein Thema.
Eine Baustelle hinter der Firmenzentrale am Oldenburger Mittelkamp zeigt an, dass er die Entwicklung der VRG-Gruppe weiter vorantreibt: Dort wird ein neues Entwicklungszentrum für bis zu 55 Arbeitsplätze errichtet.
Software ist neben den Gehaltsabrechnungen und der Systemtechnik ein wichtiges Thema bei VRG. Man ist ein starker Player bei speziellen Programmen, etwa für die Behinderteneinrichtungen.
Anfang der 90er Jahre, bevor Vaihinger einstieg, stand das Unternehmen nicht gut da: zersplitterte Angebotspalette, fehlende Ideen für eine Modernisierung. Mancher machte sich Sorgen um die Zukunft.
Der Neue, dem seit gut zwei Jahren die Firma allein gehört, stellte viele Weichen neu, investierte in aussichtsreiche Marktnischen. Aus den einst 156 Mitarbeitern wurden bis heute 350. Der Umsatz erreicht 35 Millionen Euro.
Vaihinger, in Aalen (Baden- Württemberg) mit vier Geschwistern aufgewachsen, studierte Elek-trotechnik in Braunschweig. Er promovierte in Hannover und erregte bei der Promotion Anfang der 70er Jahre Aufsehen mit dem Eigenbau einer rechnergesteuerten Messmaschine. Heute steht dieser „Urcomputer“ im Kieler Computermuseum.
Vaihinger war Hochschulmitarbeiter, spürte aber Unternehmerblut in den Adern und war dann langjährig leitend bei IBM in Forschung und Entwicklung tätig. Nach einer Personalabbau-Welle des Computerriesen hielt er mit 50 Jahren Ausschau nach Neuem – und wurde in Oldenburg VRG-Miteigentümer. „Die Aufgabe hat mich gereizt“, sagt er. Aus dem leitenden Angestellten wurde ein Unternehmer wie schon einige andere in seiner Familie.
Heute sitzt er in einem eher funktional eingerichteten Chef-Büro, schwäbische Mentalität schimmert hier durch. „Alles was man braucht, ist ja hier drin“, konstatiert er lachend und zeigt auf seinen kleinen Laptop-Rechner.
Die Bürotüren stehen offen. Mitarbeiter sagen auch über Vaihinger, dass er stets offen für neue Entwicklungen sei. „In der IT-Branche wird es niemals langweilig“, sagt er selbst in bester schwäbischer Tüftler-Manier. Und das halte jung.
Wichtige Kraftquelle ist für ihn neben dem Lesen und Wandern die klassische Musik. Der Unternehmer, auch im Büro mal in schwarzem Gewand mit weißem Hemd anzutreffen, spielt leidenschaftlich Cello. Konzertgänger der Region kennen Vaihinger aus dem Oldenburger Kammerorchester, dem Kammerorchester St. Lamberti sowie dem Amantes Quartett.
Und kein Zweifel: Uwe Vaihinger findet auch abseits der IT „die richtige Note“.
