Huntlosen - Wenn Sabine Moeller-Schritt aus dem Büro-Fenster schaut, blickt sie in einen herrlich grünen Mischwald. Kehrseite der idyllischen Perspektive: Ihr Chefin-Arbeitsplatz, hinten links im Großraum, ist eng geworden. Die Stellwand mit Ordnern in ihrem Rücken ist fast schon beängstigend nahe an sie herangerückt. „Die Büro-flächen-Erweiterung ist beim nächsten Bauprojekt dabei“, steht für die 59-Jährige fest.
Das kann nicht mehr ganz lange dauern. Ihre Firma, der Großhandel „Kornkraft Naturkost GmbH“ aus der Straße „Am Wald“ in Huntlosen (Kreis Oldenburg), wächst und gedeiht mit Naturprodukten aus biologischem Anbau – Jahr für Jahr, im Einklang mit dem Markt.
Sabine Moeller-Schritt ist Eigentümerin des Großhandels. Die Geschäftsführung teilt sie sich mit ihrem Mann Joachim Schritt (62).
450 Kunden
Gemeinsam haben sie in den vergangenen drei Jahrzehnten einen bedeutenden Bio-Nahrungsmittelgroßhandel aufgebaut: Mit rund 90 Beschäftigten werden etwa 450 Kunden – Naturkostläden, Reformhäuser, Verarbeiter und Großverbraucher – beliefert. Dafür sind zehn Kühl-Lastwagen in ganz Norddeutschland unterwegs, bis hinunter etwa zur Linie Osnabrück-Wolfsburg.
Dabei kam es in Frau Moeller-Schritts Berufsleben ganz anders als ursprünglich geplant. Die gebürtige Schleswig-Holsteinerin hatte nämlich einst Pädagogik studiert.
Dabei, in Göttingen, lernte sie ihren späteren Ehemann, den Sozialwissenschaftler Joachim Schritt, kennen. Beide engagierten sich auch politisch, etwa gegen Kernkraft, und bekamen um 1980 herum erste Kontakte zu Landwirten, „die ihre Produktion anders aufziehen wollten“ als üblich – schonender für die natürlichen Ressourcen –, und mit Bio-Möhren loslegten.
Das junge Paar war nach Bremen umgezogen und stolzer Eigentümer eines kleines Lastwagens geworden, als sich die reformwilligen Landwirte wieder meldeten: Die ersten Bio-Möhren waren erntereif. Mit einem Wochenmarkt-Auftritt in Bremen-Findorff begann dann die Firmengeschichte. 1981 wurde der „Biohandel Bremen“ als Gewerbe angemeldet.
Mit mehr Naturkostläden, die damals entstanden, wuchs der Großhandelsbedarf. Wenig später stand auch der neue Name der Firma fest, die diesen Wachstumsmarkt bediente: Kornkraft. Im laufenden Jahr werden nun mit den mehr als 9000 Produkten bereits 15 Millionen Euro Umsatz angepeilt – ein weiteres Plus von acht Prozent.
„Ich habe einen Beruf gesucht, der erfüllt, was wir gesellschaftlich sinnvoll finden“, sagt die Unternehmerin Sabine Moeller-Schritt, bei einem Rundgang durch das mitten im Wald gelegene Firmengelände. Sinnvoll – dazu zählt der Umgang mit umwelt- und ressourcenschonend produzierter Nahrung oder das Bezugsideal, wie es auf der ersten Preisliste von vor 30 Jahren dokumentiert ist: „Aus der Region in die Region.“ Und dann war da auch die „enge Verbindung von Arbeiten und Leben“.
Genau dies wurde möglich durch den Umzug von Kornkraft aus Bremen in den Landkreis Oldenburg, mit viel Platz für die drei kleinen Kinder, das jüngste war damals erst ein halbes Jahr alt.
„Kinder standen für mich im Mittelpunkt“, sagt die Unternehmerin. Und da kam es zupass, dass in Huntlosen „das Büro direkt neben der Wohnung“ lag. Auch andere Familien leben dort. Moeller-Schritt reduzierte vorübergehend auf „halbtags“. Man habe zugleich eine „moderne Partnerschaft“ gelebt“, in der Firma und zu Hause, und die Pflichten gemeinsam erfüllt.
Branche ist spannend
Die Kinder sind längst groß (zwei davon im Betrieb tätig), und die Chefin hat bei der Arbeit wieder Vollgas gegeben. Wie sie den Ausglich findet? Sabine Moeller-Schritt winkt ab: nicht nötig. Ihre Arbeit sei eben „inhaltlich erfüllend“, ohne negativen Stress, geprägt von freundlichen Beziehungen zu Beschäftigten und Kunden. „Und die Branche ist spannend“, freut sie sich.
Daheim machen die beiden geschäftsführenden Eheleute „auch die Hausarbeit zusammen“. Personal gibt es dafür nicht. „Ich mache gern mal Sport“, sagt Sabine Moeller-Schritt über ihre Freizeitaktivitäten.
Die kurzhaarige 59-Jährige engagiert sich auch über den Betrieb hinaus. Sie ist im Vorstand des Bundesverbandes Naturkost/Naturwaren und im Fachbeirat des Landwirtschaftsministeriums in Hannover. „Ich finde es wichtig, über den Tellerrand zu gucken“, erläutert die Großhändlerin ihre Motivation. Ihr sei es wichtig, dass Böden nachhaltig bewirtschaftet würden und vielen Menschen „Bio“ ermöglicht werde.
Diese Nahrung habe viele Vorteile. Und die Öko-Unternehmern fügt hinzu: „Sie schmeckt aber auch vorzüglich.“ Und dabei steht sie im eigenen Naturkostenladen auf dem Großhandelsgelände, vor der Kühltheke mit einer Auswahl der 350 Bio-Käsesorten im Sortiment.
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