Hannover - Zumindest die Pläne für das deutsche Bier wirken feuchtfröhlich: Nach dem Willen der Brauer soll das Reinheitsgebot Weltkulturerbe werden. Das wäre ein Ritterschlag für die Biernation und – global gesehen – auch ein Werbemotor für Gerstensäfte „Made in Germany“. Soweit die beschwingten Pläne für die Zukunft.

Und heute? Ist es schlecht bestellt ums Bier. Nüchtern, nur mit Blick auf Zahlen, hat das Gebräu aus Wasser, Malz, Hopfen und Hefe die besten Zeiten hinter sich. Der Bierdurst schwindet seit Jahren. Die Gründe sind vielfältig. Das Aufweichen der klassischen Arbeitszeiten erschwert das Ritual des Feierabendbieres im Kollegenkreis, junge Leute greifen verstärkt zu Mischgetränken aus Schnaps und Limonade.

Die Hoffnungen richten sich auf lokales Bier – auch in Niedersachsen und Bremen. „Hochwertige lokale Spezialitäten sind eindeutig auf dem Vormarsch“, berichtet Roland Demleitner vom Verband der Privaten Brauereien Deutschland. Das hat seine Logik. Denn gegen die Fernsehbiere – so nennt die Branche die Konzernmarken mit Dauerpräsenz in der TV-Werbung – und deren Preiskampf auf einem schrumpfenden Markt kann ohnehin keine lokale Brauerei anstinken. Margenstarke Nischenprodukte dagegen sind lukrativ. „Ansonsten gibt es für mittelständische oder kleine Brauereien auch keine Überlebenschance“, sagt Demleitner.

„Die Großen kämpfen untereinander, und die Kleinen versuchen, sich von den Großen abzuheben“, sagt Tim Brzoska. Der Handelsexperte ist Partner in der Strategieberatung Simon-Kucher. Das Unternehmen gilt als Weltmarktführer der Preisberatung.

Mögliche Auswege für die kleinen Brauer seien klar: „Die müssen es über Innovationen machen, das Bier muss einfach gut sein, anders schmecken und auch besonders daherkommen. Nur so kann man dann auch höhere Preise rechtfertigen.“ Die Kleinen müssten ihre Stärken ausspielen, sagt Brzoska. Wer sich in der Branche umsieht, stößt stets auf ähnliche Konstanten. Die Großen, wie Krombacher, Bitburger, Beck’s, Hasseröder, Warsteiner oder Veltins, kämpfen um die Anteile der anderen. Dann sind da noch die großen privaten Regionalen, wie das Einbecker Brauhaus. Es wappnet sich gegen den schwindenden Bierdurst mit modernerer Technik und Rationalisierung. 15 Millionen Euro steckt Einbecker derzeit in dieses Feld – bei nur knapp 40 Millionen Euro Jahresumsatz für 2013.


Und dann sind da die Kleinen wie die Schaumburger Privat-Brauerei, die in der Insolvenz steckt. Sie kämpft mit Online-Bestellungen und bundesweitem Versand gegen die Krise. Und schließlich die Gaststätten, die selber brauen. Deren Spanne reicht vom Riesen, wie dem Brauhaus Ernst August in Hannover mit bis zu 600 000 Litern Jahresausstoß, bis hin zum kleinen Brauhaus Felsenkeller in Lauenau. Sie alle müssen um Biertrinker kämpfen. „Das klassische Feierabendbier verschwindet“, räumt Demleitner ein. Immerhin, Lichtblicke gibt es: Die WM sorgt für eine Sonderkonjunktur.