Hude - Konstruktiv und nicht konfrontativ sei es verlaufen, das Gespräch zwischen Gemeindeverwaltung und Anliegern des Bahnhofsvorplatzes, berichten Teilnehmer. Allein: Das von der Verwaltung erhoffte Ergebnis zur Lösung der Probleme beim Neubau der Bahnhofsrampe kam am Montagabend nicht zustande. Die sieben anwesenden Eigentümerparteien der angrenzenden Häuserzeile lehnten das von der Gemeinde favorisierte Verfahren zur Absicherung der Baugrube geschlossen ab. Dabei sollte die Spundwand im Erdreich ihres Grundstücks verankert werden.
Dem Planer und Statiker gelang es jedoch nicht, die Bedenken der Eigentümer zu zerstreuen. „Wir haben ebenfalls Fachleute auf die Planung gucken lassen. Das Risiko, das für das Gebäude besteht, lässt sich nicht kleinreden“, betont Dr. Carola Thurow, die mit ihrem Mann in dem Haus eine Augenarzt-Praxis betreibt.
Augenärzte in Sorge
Als Alternative soll die Spundwand nun durch einen Stahlrahmen verstärkt werden. Es soll ein „Vibrationsverfahren“ angewandt werden. Mit Hilfe von hochfrequenten Vibratoren sollen die Spundbohlen „erschütterungsarm“ in den Boden gebracht werden. Dieses Verfahren sehen die Eigentümer ebenfalls mit großer Skepsis: „Wir haben Sorge, dass sich die Erschütterungen auf das Gebäude und damit auch auf die Geräte in der Praxis übertragen“, so Thurow.
In der Augenarzt-Praxis sind feine Laser für Operationen und sensible Diagnostikgeräte im Einsatz. 1000 Patienten hat die Praxis im Schnitt monatlich, der Terminkalender ist bis Februar voll. „Für uns heißt das, dass wir Patienten umbestellen müssen“, erklärt Thurow.
Bürgermeister Axel Jahnz versichert, dass „alles getan wird, um die Störungen im Rahmen des Erträglichen zu halten.“ Dass es zu Bewegung und Geräuschentwicklung kommt, sei bei einer solchen Baustelle unvermeidbar. „Die gibt es aber auch durch den Zugverkehr“, so Jahnz.
Der Bürgermeister hofft, dass die Baumaßnahme „so schnell wie möglich“ beginnen wird. Zuvor will er sich dafür an diesem Donnerstag das Okay des Verwaltungsausschusses holen.
Ansprechpartner benannt
Über den Bauzeitenplan sollen die Betroffenen zügig und umfangreich informiert werden, kündigt Jahnz an. Sein Vertreter Wolfgang Martens werde als Ansprechpartner fungieren. Jahnz: „Kommunikation steht bei uns an erster Stelle.“
Carola Thurow macht deutlich, dass die Gemeindeverwaltung zunächst den verloren gegangenen Kredit zurückgewinnen muss. So seien die Eigentümer enttäuscht darüber, dass die Verwaltung erst jetzt, mehr als ein halbes Jahr nach der Grundsatzentscheidung in den Ratsgremien, das direkte Gespräch mit den vom Baugeschehen Betroffenen gesucht habe. „Die Schuld der Hausverwaltung zuzuschieben, trägt nicht zur Vertrauensbildung bei“, so Thurow. Sie wird die Bauarbeiten mit größtem Argwohn verfolgen: „Es gibt Vorschriften zu Lärm- und Vibrationsbelästigungen. Werden die überschritten, versuchen wir, einen Baustopp zu erwirken“, kündigt die Ärztin an.
Hudes Bürgermeister warnt unterdessen davor, das Projekt schlecht zu reden. „Es geht um die barrierefreie Erreichbarkeit des Bahnhofes – die müssen wir in Angriff nehmen.“ Die Entscheidung für einen Rampen-Neubau sei Ergebnis eines langen politischen Prozesses gewesen.
