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Flüchtlinge Erst Unterkunft und später Sporthalle

Kirchkimmen/Hude - Die Not ist derzeit groß. Um die vielen Schutzsuchenden aus Kriegsgebieten unterbringen zu können, werden Zelt- und Containerstädte aufgebaut. Schlichtbauten werden errichtet, die später wieder abgerissen werden sollen. Flüchtlinge werden in Sporthallen auf die primitivste Art untergebracht. Und die Sportstätten stehen so lange der Bevölkerung nicht mehr zur Verfügung. Sie müssen anschließend aufwendig wieder hergerichtet werden.

Es ginge vielleicht auch anders, sagen Ralf und Imke Mehrings von der Komplettbau-GmbH aus Hude-Kirchkimmen. Die Idee beschreiben Vater und Tochter so: „Wir bauen eine Flüchtlingsunterkunft, die die Privatsphäre der Schutzsuchenden wahrt und ihnen befristet ein Zuhause bietet – bei einer räumlichen Aufteilung, die eben keiner Massenunterbringung gleicht und Raum und Zeit schafft für die sinnvolle Strukturierung einzelner Schicksale.“

Einfeld-Sporthalle

Ralf Mehrings, seit 16 Jahren erfolgreich im Sportstätten-Fertigbau, hat dazu schon viele Ideen entwickelt: Das circa 16 mal 28 Meter große Gebäude wird aufgebaut wie eine Einfeld-Sporthalle. Innen wird sie aber erst einmal komplett ausgestattet für die Aufnahme von 55 bis 60 Flüchtlingen in 14 Zimmern: Richtige Wände und Decken für die einzelnen Zimmer – in Leichtbauweise. Die erforderlichen Neben- und Gemeinschaftsräume, Sanitäranlagen, Waschräume, Räume zum Spielen für die Kinder – circa sieben Quadratmeter pro Person hat Mehrings zugrundegelegt. „Wir können das schlüsselfertig bauen, inklusive Einrichtung mit Betten, Schränken, Kühlschränken für jedes Zimmer“, sagt er.

Und wenn dann irgendwann die Unterbringung von Flüchtlingen nicht mehr erforderlich sei, könne ohne großen Aufwand die Halle zu einer funktionsstarken Sport- oder Veranstaltungshalle umgebaut werden.

„Im Ergebnis helfen wir kurzfristig den Notleidenden, und langfristig schaffen wird die ohnehin dringend benötigten Sportstätten.“ Denn Mehrings wissen aus ihren Erfahrungen, das dringend benötigte Hallen oft an der Finanzierung scheitern.


Deshalb die Idee, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Zurzeit werde für Übergangslösungen kurzfristig viel Geld verbrannt, „das auch langfristig investiert werden könnte“, sagt Ralf Mehrings.

Ob das Modell Einfeldhalle mit späterer Sport-Nutzung realisierbar und wirtschaftlich tragbar ist, das möchte die Firma Mehrings gerne genauer kalkulieren. Dazu seien aber noch einige Daten erforderlich: Richtlinien für Flüchtlingsunterkünfte, Finanzierung und Bezuschussung möglicher Investoren (zum Beispiel Vereine), sagt Imke Mehrings.

Seit Oktober 2015 bemühe sich die Firma, benötigte Informationen für die Umsetzung eines solchen Projektes von Bürgermeister Lebedinzew von der Gemeinde Hude sowie Sozialdezernent Bode vom Landkreis zu bekommen.

Bislang ergebnislos

„Bislang ergebnislos“, so Imke Mehrings. „Mehrfach wurde versprochen, uns die Informationen zukommen zu lassen. Außer diesem Versprechen haben wir aber nichts erhalten.“ Einzelne Bürger und Vertreter von Vereinen hätten versucht, sich für die Prüfung dieser Idee einzusetzen. Das sei im Keim erstickt worden, ärgert sich die ortsansässige Unternehmerfamilie darüber, dass „kreativen Menschen das Ohr verweigert wird“. Man wolle doch lediglich öffentliches Interesse hinterfragen. „Wir wollen was machen, werden aber blockiert. Uns die Informationen zukommen zu lassen, kostet Gemeinde und Landkreis keinen Cent“, sagt Ralf Mehrings.

Er möchte vor allen Dingen wissen, was die öffentliche Hand für die Flüchtlingsunterbringung ausgeben kann, um anhand dieser Zahlen abwägen zu können, ob so etwas wirtschaftlich überhaupt machbar ist.

Eine komplett ausgestattete Halle für die Flüchtlingsunterbringung könnte nach einer ersten Schätzung von Mehrings circa 900 000 Euro kosten. Sie später für sportliche Zwecke umzurüsten, würde in etwa nur 250 000 Euro zusätzlich erfordern.

„So kostenattraktiv könnte eine neue Sportstätte entstehen. Das derzeit noch als Sportfläche ausgewiesene Grundstück am Vielstedter Kirchweg wäre für unser Modell hervorragend geeignet“, so Mehrings.

Klaus Derke
Klaus Derke Redaktion Hude
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