Der 7. März 2017 ist für den Reiterverein Ganderkesee schon ein besonderer Tag, denn zum ersten Mal in der 106-jährigen Vereinsgeschichte wurde mit Eva-Maria Buckenberger eine Frau zur Vorsitzenden gewählt. Dazu kommt, dass sie mit ihren 30 Jahren auch eine der jüngsten aller ehemaligen Vorsitzenden sein dürfte.

Eva-Maria, oder auch „Evi“ genannt, hat im Reiterverein Ganderkesee so etwas wie eine „steile Karriere“ hingelegt. Seit 2014 ist sie Mitglied im Verein und schon ein Jahr später wurde sie auf der Generalversammlung in den Vorstand gewählt. Der Hufschmied Hermann Würdemann erkannte schnell ihr Talent und meinte: „Hättest Du nicht Lust, in den Vorstand zu gehen? Wir wollen den Vorstand verjüngen – Du hast das Zeug dazu!“ Heute setzen die über 400 Mitglieder des Reitervereins große Hoffnungen in Eva-Maria Buckenberger und ihr Vorstandsteam.

Schon im Alter von sechs Jahren entdeckte sie ihre Liebe zu Pferden. In ihrem Heimatort Fellen in Unterfranken (Bayern) gab es einen Ponyhof. Hier hat die junge „Evi“ Schmidt, so ihr Mädchenname, auf „Meta“ das Reiten gelernt. Das Welsh-Pony „Meta“ hatte auch schon mal seinen eigenen Kopf, wie sich „Evi“ noch gut erinnern kann. „Einmal war sie nicht zu halten. Da bin ich im Galopp abgesprungen und genau in einer großen Wasserpfütze gelandet.“ Aber davon ließ sich „Evi“ nicht entmutigen. Pferde und Reiten waren ihr ein und alles.

Zwischendurch versuchte „Evi“ es zwar mit Fußball, aber die Fußballschuhe hing sie schnell wieder an den berühmten „Nagel“. Im Alter von neun Jahren absolvierte sie mit dem Pferd „Don’t Worry“ ihren ersten Springparcours. Mit ihrem eigenen Pferd „Lucca“ gewann Eva-Maria Schmidt auch einige Preise. Obwohl ihr Vater seine Arbeitsstelle in Bremen hatte, unterstützte er seine reitbegeisterte Tochter so gut es ging. „Da es in Bayern nicht so viele Turniere wie hier in Norddeutschland gibt, mussten wir schon Fahrtzeiten von zwei Stunden und mehr in Kauf nehmen“, erinnert sich „Evi“.

Vor genau zehn Jahren fasste Eva-Maria den Entschluss, in den hohen Norden zu ihrem Vater nach Bremen zu ziehen. „Evi, hast Du Dir das gut überlegt? Die Leute oben in Norddeutschland sind doch alle so kühl?“, wurde sie von ihren Freunden eindringlich gewarnt. „Die Hinweise meiner Freunde in Bayern kann ich überhaupt nicht bestätigen, ganz im Gegenteil“, schwärmt „Evi“. Da ihr Vater ein begeisterter Segler ist, nahm er seine Tochter des Öfteren mit an Deck. „Ich bin gerne mit gesegelt, aber mein Herz gehört den Pferden“, gibt „Evi“ gerne zu.


Da die Pferde „nur“ ein leidenschaftliches Hobby waren, musste sie sich Gedanken um ihre berufliche Zukunft machen. „Früher wäre ich gerne Grundschullehrerin geworden, weil ich von einer meiner Lehrerinnen so begeistert war. Dann wollte ich Krankenschwester werden, doch bei einem Schulpraktikum habe ich gemerkt, dass es doch wohl nicht das Richtige für mich ist“, erzählt Eva-Maria. Auf Anraten ihres Vaters machte sie in Bremen ihr Abitur nach, was sie als Jahrgangsbeste abschließen konnte. Anschließend studierte sie an der Fachhochschule Betriebswirtswirtschaft (Internationales Management). Dieses Studium war auf vier Jahre ausgelegt, wovon zwei Jahre im Ausland absolviert werden mussten.

Ins Ausland, das wollte „Evi“ nicht so gerne. Zum einen wegen ihrer Pferde und dann hatte sie in der Zwischenzeit über das Internet ihren Hendrik Buckenberger kennengelernt – ebenfalls ein großer Pferdeliebhaber, der in seiner Heimat Schleswig-Holstein schon einige Springturniere gewonnen hatte. Hendrik ist in Bremen in der JVA als Justizvollzugsbeamter angestellt. „Wie wäre es denn, wenn Du zur Polizei gehen würdest?“, schlug er seiner „Evi“ vor. Dabei kam ihr ein Zeitungsartikel über die berittene Polizei in Erinnerung und schon damals hatte sie über diesen Beruf nachgedacht. Sie besuchte drei Jahre die Polizeiakademie in Oldenburg. „Hier musste ich meine sportliche Fitness unter Beweis stellen, unter anderem auch bei der Bewältigung von einem Hindernisparcours. Da habe ich mein Pferd schon vermisst“, lächelt „Evi“. Seit 2015 ist sie Polizeikommissarin und das in Ganderkesee. „Ich habe hier meine berufliche Erfüllung gefunden. Mein Beruf macht mir sehr viel Spaß und die Dienststelle in Ganderkesee ist super schön“, schwärmt Eva-Maria Buckenberger.

Nicht nur beruflich, auch privat lief es perfekt. Sie heiratete ihren Hendrik und in der Gemeinde Ganderkesee haben beide ihr Eigenheim eingerichtet. Seit zehn Monaten macht Sohn Ben das Glück der jungen Familie Buckenberger komplett.

Das Jahr 2015 war für „Evi“ nicht nur beruflich sehr erfolgreich, sondern auch im Reitsport. Sie konnte in diesem Jahr nicht nur Vize-Kreismeisterin werden, sondern mit ihrer Mannschaft, als Mannschaftsführerin, auch Landesmeisterin. Wegen der Schwangerschaft mit Ben musste sie mit dem Turniersport aussetzen. „Im Moment reitet ,nur’ Hendrik auf Turnieren und ich unterstütze ihn dabei“, erzählt Eva-Maria.

Ihre Pferde haben seit einigen Jahren ihr Zuhause bei Familie Auffarth in Bergedorf. „Zurzeit haben wir vier Pferde, wobei wir hier in Kürze Nachwuchs erwarten“, verrät „Evi“ mir. Ich meine, mit Eva-Maria Buckenberger haben die Mitglieder vom Reiterverein Ganderkesee eine gute Wahl getroffen.

Eva-Maria Buckenberger, Vorsitzende des Reitervereins Ganderkesee.