Berlin/Oldenburg - Dass Kunden Gebühren zahlen müssen, wenn sie an Geldautomaten einer fremden Bank oder Sparkasse Bargeld abheben wollen, ist heutzutage fast schon zur Regel geworden. Mittlerweile gehen allerdings die ersten Geldinstitute auch schon dazu über, auch für ihre eigenen Kunden das gebührenfreie Geldabheben am Automaten einzuschränken – auch im Nordwesten.
Nach einer jetzt veröffentlichten Studie des Finanzportals „biallo.de“ fallen bei 40 der knapp 400 Sparkassen in Deutschland je nach Kontomodell Gebühren von bis zu einem Euro an. Im Nordwesten nennt das Portal etwa die Sparkasse Aurich-Norden, bei der bei einem Konto ab der dritten Verfügung je Monat 45 Cent Gebühren am Automaten anfallen würden.
Eine Stichprobe dieser Zeitung zeigt, dass auch andere Sparkassen und Banken das kostenlose Geldabheben am Automaten für ihre eigenen Kunden mittlerweile eingeschränkt haben. So fallen auch bei der Landessparkasse zu Oldenburg (LzO) nach der Einführung neuer Kontomodelle Ende 2016 bei einem Modell Gebühren an.
Zwar sind beim Kontomodell „LzO GiroKomfort“, das nach LzO-Angaben von der großen Mehrheit der Kunden genutzt wird, im Pauschalpreis von sechs Euro pro Monat kostenfreie Abhebungen am Automaten weiterhin inklusive. Im Modell „LzO GiroKlassik“ mit einem Grundpreis von drei Euro fällt jedoch für jeden Zahlungsvorgang – egal, ob es sich um eine Überweisung, Lastschrift oder eine Bargeldabhebung am Automaten handelt – eine Gebühr von 30 Cent an. Fünf Freiposten gibt es nach LzO-Angaben nur noch bei „beleghaften Bargeschäften“, also etwa Auszahlungen am Schalter.
Auch die Volksbank Oldenburg kassiert bei zwei ihrer vier Kontomodelle fürs Geldabheben am Automaten extra ab. Beim „VR-NetKonto Top“ und beim „VR-IndividualKonto“, den beiden Modellen mit dem niedrigsten monatlichen Grundpreis, fällt nach fünf Freiposten eine Gebühr von 35 Cent an. Bei den beiden Konten mit einem höheren Grundpreis bleibt das Geldabheben hingegen kostenfrei.
Bislang keine Gebühren fürs Geldabheben von den eigenen Kunden verlangen dagegen laut Preisaushang etwa Raiffeisenbank Oldenburg, Oldenburgische Landesbank (OLB) und Deutsche Bank. „Die Geldautomatenverfügungen sind im Pauschalpreis des jeweiligen Kontomodells enthalten“, sagte OLB-Sprecher Timo Cyriacks. Änderungen seien nicht vorgesehen.
Auch wenn bislang nur eine Minderheit der Geldinstitute Gebühren fürs Geldabheben verlangt, befürchten Verbraucherschützer, dass andere Banken und Sparkassen nachziehen werden. „Die Banken scheinen immer kreativer zu werden, um Preiserhöhungen mit Verweis auf die Niedrigzinsphase durchzusetzen“, sagte Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.
Einige Experten rechnen sogar damit, dass es schon in wenigen Jahren Bargeld nur noch gegen Bares geben könnte. „Eine kostenlose Bargeldversorgung wird es künftig wohl nicht mehr geben“, sagte etwa Bankprofessor Dirk Schiereck von der Technischen Universität Darmstadt der „Bild-Zeitung“.
