Hannover - Kassierer und Verkäufer im niedersächsischen Einzelhandel haben am Donnerstag mit ersten Streiks ihren Forderungen in der festgefahrenen Tarifrunde Nachdruck verliehen. Nach Angaben der Gewerkschaft „Verdi“ legten Mitarbeiter bei Edeka und Marktkauf die Arbeit nieder. Schwerpunkt der Aktion sei Hannover gewesen.
„Verdi“ fordert einen Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde, 90 Euro brutto mehr für die monatliche Bezahlung der Azubis und ganz generell einen Euro mehr pro Stunde für die Gehälter. Die Arbeitgeber haben laut „Verdi“ Anfang Juni kein Angebot vorgelegt, forderten aber Verschlechterungen im Tarifniveau. „Man verweigert uns einen neuen Verhandlungstermin. Den werden wir uns jetzt erkämpfen“, sagte „Verdi“-Verhandlungsführer Heiner Schilling.
Die Gewerkschaft regelt eigenen Angaben zufolge die Bedingungen für rund drei Viertel der insgesamt knapp 300 000 Beschäftigten im niedersächsischen Einzelhandel. Die Arbeitgeber haben nach Auskunft der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung bundesweit sämtliche Einkommens- und Manteltarifverträge der Branche gekündigt. „Diese Tarifauseinandersetzung wird an Härte leider noch zunehmen“, so Schilling.
Vor Kurzem hatten die einflussreichen Einzelhandelsarbeitgeber in Nordrhein-Westfalen ein Angebot für ein Einkommensplus angekündigt. Sie wollen es in ihrer dritten Verhandlungsrunde am 3. Juli vorlegen.
Nach Angaben der Böckler-Stiftung haben Verkäufer im Einzelhandel auf Basis einer 38-Stunden-Woche im Schnitt 1890 Euro Monatsbrutto.
