Butjadingen - Früher als erwartet musste der gerade erst fertiggestellte Naturerlebnispfad im Langwarder Groden den ersten Härtetest über sich ergehen lassen. Die schwere Sturmflut an diesem Mittwoch an der niedersächsischen Nordseeküste setzte den Langwarder Groden komplett unter Wasser. Wie der Naturerlebnispfad mit seinem 400 Meter langen Bohlensteg und den weiteren Bauten dieses Naturereignis überstanden hat, soll an diesem Donnerstag geprüft werden.

Es war erst die dritte Überflutung des Langwarder Grodens in den vergangenen 80 Jahren. Die ersten beiden fanden bei den Sturmfluten 1962 und 1976 bei Hochwasserhöhen von 5,22 beziehungsweise 4,85 Meter über Normalnull (NN) statt. Auch das Orkantief Xaver hatte im Dezember vergangenen Jahres für einen Wasserstand von 4,81 Meter über NN gesorgt, jedoch kam es dabei nicht zu einer Überflutung des Langwarder Grodens.

Der höchste Wasserstand an diesem Mittwoch wurde am Tidepegel in Fedderwardersiel um 11.44 Uhr mit „nur“ 3,92 Meter über NN (2,19 Meter über das normale Hochwasser) gemessen. Er reicht für eine vollständige Überflutung des Langwarder Grodens aber jetzt aus, weil im Zuge der dortigen ökologischen Kompensationsmaßnahme rund 900 Meter des 4,2 Kilometer langen Sommerdeichs entfernt wurden.

Die Folgen der bei Sturmfluten in den Langwarder Groden fließenden überwältigenden Wassermassen seien unvorhersehbar, meint Dieter Brockhoff. Der Vorsitzende des „Fördervereins Langwarder Groden – Erhalt der Heimat zwischen den Deichen“ erwartet mit Spannung die Schadensbilanz der jetzigen Sturmflut. Erhebliche Schäden habe er an den neuen Weidezäunen ausgemacht.

Zudem sei die Befürchtung des Fördervereins eingetreten, dass sich große Mengen an Treibgut im Groden ansammeln werden, so Dieter Brockhoff. Die Beseitigung des auf dem neuen Treibsel­abfuhrweg am Hauptdeich und auf dessen Deckwerk liegenden Treibguts ist Aufgabe des II. Oldenburgischen Deichbandes, bestätigte Vorsteher Burchard Wulff.

Über die Treibselbeseitigung im Groden müssten sich Domänenamt, Nationalparkverwaltung und die Gemeinde Butjadingen als Eigentümer und Nutzer des Areals verständigen. Aufgrund von Absprachen habe der Deichband in der Vergangenheit die Entsorgung mit übernommen, natürlich nicht auf eigene Kosten, so Burchard Wulff.

Dieter Brockhoff sieht in der jetzt unkontrollierten Überflutung des Langwarder Grodens auch eine Gefahr für den Wildtierbestand. Bei der Flut an diesem Mittwoch wurden etliche Rehe von dieser neuen Situation scheinbar überrascht. Sie suchten auf dem Sommerdeich oder auf den Erdlagern Schutz. Einige Rehe sprangen aus Panik ins Wasser. Ob sie sich alle retten konnten, ist fraglich.

Für die zahlreichen Urlauber, die sich aufgrund der Herbstferien derzeit in Butjadingen aufhalten, war die Sturmflut am Mittwoch ein besonderes Ereignis. Viele Besucher säumten den Deich in Burhave, Tossens und Eckwarderhörne, wo die Strände und Campingplätze überflutet waren. Auch der „übergelaufene“ Hafen in Fedderwardersiel lockte etliche Schaulustige an.