Oldenburg - Seit drei Monaten ist die Wirtschafts- und Umweltingenieurin Johanna Peeters auf der Suche nach einem neuen Job. Peeters stammt aus Zuidbroek nahe Groningen. In Oldenburg sucht sie eine Chance. „Vielleicht ergibt sich eine Möglichkeit“, sagt die 53-Jährige, bevor sie sich mit Rainer Krause, Personalchef des Oldenburger Chemieunternehmens Büfa, an einen Tisch setzt. Sie sprechen über eine mögliche Zukunft in dem Unternehmen.

Rund zwei Dutzend Fach- und Führungskräfte aus dem Raum Groningen aus verschiedenen Bereichen von Fahrzeugbau bis Metallverarbeitung waren zum „Business Speed-Dating“ mit möglichen Arbeitgebern aus der Region Oldenburg zusammen gekommen.

Die Niederländer schätzen die Wirtschaftsregion Oldenburg. Das wurde bei der Veranstaltung der Reihe NWZ -Impulse-Expertengespräch deutlich, die am Montag im Medienhaus stattfand. Wie hoch sie diese Chance des Netzwerkens schätzen, zeigte, dass sie den Termin wahrnahmen, obwohl am Montag in der Heimat der Koningsdag (Königstag), ein Nationalfeiertag zu Ehren König Willem-Alexanders, gefeiert wurde.

Nach der Diskussionsrunde zum Thema „Wege aus dem Fachkräftemangel“ nutzten die Bewerber die Möglichkeit, mit potenziellen Arbeitgebern ins Gespräch zu kommen. Entstanden war die Idee zum „Business Speed-Dating“ zwischen regionalen Unternehmen und den niederländischen Bewerbern zufällig, erzählte Norbert Drogies, Projektleiter des Web-Portals „www.karriere-ganzoben.de“.

Er hatte die Idee, Firmen authentische Videos von Bewerbern zu zeigen, in Groningen auf einer Messe vorgestellt. Den Kontakt zu den niederländischen Fachkräften hatte Jaap de Winter vom Personalberatungsunternehmen ASBR hergestellt und sie nach Oldenburg begleitet.


Der 31-jährige Peter Schuur ist Projektleiter im Fahrzeugbau. „Ich habe gehört, in Deutschland sind Fachkräfte gefragt. Das hört sich für mich sehr interessant an. Vielleicht kommt etwas Schönes dabei raus“, sagte er.

Kontakte knüpfen wollte auch der 48-Jährige Jan Meijer. Der Wirtschafts- und Maschinenbau-Ingenieur würde für eine gute Arbeitsstelle auch mitsamt der Familie ins Ausland ziehen. „Ob Amerika, Abu Dhabi oder Deutschland ist egal. Aber Deutschland ist von den Niederlanden aus gut mit dem Auto zu erreichen“, sagte Meijer.

Volkswirt und Betriebsökonom Koen Jurgens (50) war sehr zufrieden. „Es gab sehr gute Informationen und es ist gut, sich auszutauschen und herauszufinden, was uns verbindet und zusammenbringt“, sagte der 50-Jährige, nachdem er einige Gespräche mit Firmenvertretern geführt hatte. „Es war natürlich erst die erste Begegnung, aber ich bin angenehm überrascht über die Gespräche und darüber, was das Oldenburger Land zu bieten hat“, sagte er.

Rainer Krause, Personalchef bei Büfa, betonte vor allem, wie wichtig der internationale Kontakt sei. „Der internationale Hintergrund, sprachlich und kulturell, ist ein großer Vorteil. Holländer führen ganz anders. Das ist eine schöne Ergänzung für das Unternehmen. Wir können eine Menge von einander lernen“, sagte er.

Heinrich Schmidt-Prestin vom Dienstleister Arvaport meinte, dass es solche Veranstaltungen viel häufiger geben sollte. „Es ist zwingend notwendig, wir können den Fachkräftebedarf heute nur mit Zuzug bewerkstelligen“.

Ein wenig Kritik gab es am Ende doch von einigen der niederländischen Bewerber: „Es hätten gerne mehr mögliche Arbeitgeber hier sein dürfen“, sagte Peter de Greet.

Merle Ullrich
Merle Ullrich Redaktion Brake