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Welt-Premiere in Niedersachsen Hier kommt das erste Bahnnetz mit Wasserstoffzügen

Weltpremiere: der neue Wasserstoffzug in Bremervörde

Weltpremiere: der neue Wasserstoffzug in Bremervörde

Rüdiger zu Klampen

Bremervörde/Bremerhaven - Großer Tag für die Eisenbahn in Nordwest-Deutschland und auch weltweit: In Bremervörde, zwischen Bremerhaven und Hamburg gelegen, wurde am Mittwoch der Startschuss gegeben für das global erste Zugnetz (Umfang: 123 Kilometer) mit Brennstoffzellenbetrieb auf Wasserstoffbasis.

Nach und nach sollen bis Dezember 14 Triebzüge „Lint X“ in den Alltagsbetrieb zwischen Cuxhaven, Bremerhaven, Bremervörde und Buxtehude gehen, wurde bei einer Veranstaltung von Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG), dem Zuglieferant Alstom, dem Wasserstoffspezialist Linde und der regionalen Eisenbahn EVG angekündigt. Gestartet wird derzeit mit fünf Zügen. „Als Land der Erneuerbaren Energien setzen wir einen Meilenstein auf dem Weg zur Klimaneutralität im Verkehrssektor“, konstatierte Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) zur „Weltpremiere Wasserstoff“. Das Projekt habe „weltweit Vorbildcharakter“.

Wie es begann

Worum geht es? Die LNVG als Zugbestellerin im Schienen-Personennahverkehr Niedersachsens will keine neuen klimaschädlichen Diesel-Züge mehr anschaffen. Die Frage ist: Welche Antriebsart folgt auf den Nebenstrecken, die bisher mit Diesel-Zügen betrieben werden und für die eine Oberleitung (Kosten) eher nicht infrage kommt? Als Alternativen wurden Batterie-, aber eben auch Brennstoffzellen-Antrieb auf Wasserstoffbasis ausgemacht. Ziel: Zugverkehr ohne Klimagase.

Wie funktioniert’s ?

In einer Brennstoffzelle entsteht aus Wasserstoff und Sauerstoff elektrische Energie. Der Strom wird in speziellen Batterien gespeichert und fließt von dort in die Fahrmotoren. Auch beim Bremsen wird Strom erzeugt und gespeichert. Brennstoffzellenzüge würden die jährlich rund 1,6 Millionen verbrauchten Liter Diesel auf dem Weser-Elbe-Netz ersetzen und etwa 4400 Tonnen CO 2 vermeiden, erläutert Thomas Nawrocki, Leiter des Fahrzeugmanagement bei der LNVG. Zugleich werde man mit dem Wasserstoff „energieautark“.

 Wasserstoff-Partner wurde Alstom, ein französischer Konzern mit bedeutendem Standort in Niedersachsen (Salzgitter). 2018/19 gab es dann über 18 Monate einen Testbetrieb mit zwei Pilot-Fahrzeugen „Alstom Coradia iLint“ auf Strecken der Eisenbahn- und Verkehrsbetriebe Elbe-Weser GmbH (EVG) rund um Bremervörde. Von größeren Komplikationen ist nichts bekannt. Und so geht es, vier Jahre später, bereits los mit dem Regelbetrieb. „Mit dem Motto Wasserstoff statt Diesel leisten wir in Niedersachsen echte Pionierarbeit“, meinte Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU). Wasserstoff biete viel Potenzial. Niedersachsen könne hier ein „Chancen-Land“ werden.

Bund beteiligt sich

Und die Kosten? Für die Beschaffung der 14 Wasserstoff-Züge stellte das Land 85 Millionen Euro bereit, so Althusmann. Zusätzlich habe sich der Bund mit 8,4 Mio. Euro beteiligt. Dieses Engagement verstärke die „Strahlkraft über die Region hinaus“. Auch in anderen Bundesländern laufen Versuche mit Wasserstoffzügen, auch von Siemens.

Weitere 4,3 Mio. Euro fließen aus Berlin für den Bau einer Wasserstofftankstelle in Bremervörde. Am Mittwoch gab es Pendelfahrten zwischen dem dortigen Bahnhof und der nahen „Zapfsäule“, errichtet von dem Industriegase-Spezialist Linde.

Wasserstoff nicht grün

„Der Wasserstoff soll zu immer größeren Teilen aus Windkraft erzeugt werden“, kündigt Carmen Schwabl an, die Sprecherin der Geschäftsführung der Landesnahverkehrsgesellschaft. Zum Start ist das Wasserstoffprojekt dagegen noch nicht „grün“, also ohne Klimagase in der Produktionskette. Der zunächst verwendete Wasserstoff stammt als Nebenprodukt von einem Chemiekomplex in Stade. Geplant sind zwei bis drei Lkw-Ladungen pro Tag.

Lade ...

Das könnte „zwei bis drei Jahre“ so laufen, bis Linde „grünen Wasserstoff“, also zunehmend ohne fossile Brennstoffe erzeugt, liefern wird. Dies solle „aus Windstrom per Elektrolyse vor Ort“ erfolgen, direkt bei der Tankstelle, erklärt Schwabl. Das Vorhaben errege auch im Ausland viel Aufsehen.


Sie sei „sehr zuversichtlich für den Betrieb unserer Serienfahrzeuge“, sagt die LNVG-Chefin zum weltweit ersten Netz-Start für Wasserstoff-Brennstoffzellenzüge. Im Testbetrieb seien die beiden Züge 18 Monate gefahren, „ohne liegen zu bleiben“. Eine Tankladung in Bremervörde reicht für gut 1000 Kilometer.

Für Elena Hof, Programmleiterin beim „Nationalen Wasserstoffprogramm Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie“ (NOW GmbH) steht fest: „Mit Förderungen wie für die Brennstoffzellentriebzüge in Niedersachsen können ein sehr effektives Werkzeug zur CO2-Einsparung und Dekarbonisierung des Schienenverkehrs geschaffen werden.“ Allerdings war vor Ort auch zu hören: Der Ansatz ist bisher sehr teuer.

Rüdiger zu Klampen
Rüdiger zu Klampen Wirtschaftsredaktion (Ltg.)
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