Rodenkirchen - Immer mehr Landwirte haben genug von steigenden Strompreisen und erwägen deshalb, eine Klein-Windkraftanlage zu bauen. Butjadingen und große Teile Stadlands sind dafür genau die richtige Gegend.
120 Zuhörer
Das sagte Christoph Gers-Grapperhaus am Donnerstagabend bei einer Veranstaltung des Kreislandvolkverbandes zum Thema Energie in der Markthalle Rodenkirchen. Der Mitarbeiter der Landwirtschaftskammer Niedersachsen sprach vor 120 Landwirten.
Aber er warnte seine Zuhörer: „Erwarten Sie keine Gewinne.“ Das finanzielle Plus sei äußerst bescheiden, könne aber mit weiter steigenden Strompreisen wachsen.
Klein-Windkraftanlagen haben eine Nennleistung von bis zu 100 Kilowatt, eine Nabenhöhe bis zu 30 Meter und einen Rotordurchmesser von 16 Meter. Niedersachsen ist eines der wenigen Bundesländer, in denen für jede noch so kleine Windkraftanlage eine Baugenehmigung erforderlich ist, sagte Gers-Grapperhaus. Er riet den Bauern, das offene Gespräch mit der Genehmigungsbehörde zu suchen: „Sie sollten nicht tricksen.“
Eine solche Anlage dürfe nicht weiter als 200 Meter vom Wohnhaus des Landwirtes entfernt und nicht dichter als anderthalb Nabenhöhen am Grundstück des Nachbarn stehen. Zudem müsse 50 Prozent des erzeugten Stroms vom Bauernhof verbraucht werden – nicht rechnerisch, sondern nachweislich.
Das sei für Schweinemastställe mit ihrem kontinuierlichen Strombedarf zu schaffen, für Betreiber von Boxenlaufstellen mit Melkstand aber ein Problem. Denn diese Höfe verbrauchen nur zu bestimmten Zeiten viel Strom: wenn Melkmaschine und Kühlanlage laufen.
Anhand einer Windkarte des Deutschen Wetterdienstes machte Gers-Grapperhaus deutlich, dass in Butjadingen und an der Ostküste des Jadebusens die besten Windverhältnisse für eine Klein-Anlage. In Rodenkirchen und Schwei bläst der Wind nicht mehr ganz so stark, aber immer noch ausreichend. Großenmeer und Elsfleth seien dagegen schon klassische Binnenland-Standorte.
Lieber größere Anlagen
Der Markt für Biogas-Anlagen ist nach Jahren sehr stürmischen Wachstums 2012 fast völlig zum Erliegen gekommen, sagte Christoph Gers-Grapperhaus weiter. Wer jetzt noch eine Anlage baue, entscheide sich – wegen der gestiegenen Preise für Biomasse – meistens für reine Güllevergasung in 75-Kilowatt-Anlagen. Wer eine solche Anlage auslasten wolle, brauche aber 10 000 Kubikmeter Gülle im Jahr. Und dafür seien 500 Kühe erforderlich.
Christoph Gers-Grapperhaus riet allen Landwirten, deren Betriebe wachsen sollen, zu größeren Anlagen mit 60 Prozent Gülle-Einsatz, die erweitert werden können.
