Brüning - Er ist nicht zu übersehen in diesen Wochen: Der Raps mit seiner knallgelben Blüte dominiert optisch die bäuerliche Kulturlandschaft. Der Eindruck, dass die Ölpflanze in der Region verstärkt angebaut wird, täusche aber, meint Ronald Bredendiek: „Wir haben hier noch relativ wenig Raps“, sagt der Landwirt aus Brüning, „und der Anteil ist in den vergangenen Jahren ungefähr gleich geblieben.“ Anderswo, etwa in Schleswig-Holstein, seien die Böden geeigneter für Raps.
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Warum wirdRaps angebaut |
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Vor allem wegen des hohen Ölgehalts der Samenkörner spielt Raps eine wichtige Rolle als Nahrungs- wie als Energiepflanze. Aber auch als Futterpflanze ist er von Wert, denn der Extraktionsschrot, auch „Rapskuchen“ genannt, der nach dem Pressen übrig bleibt, hat einen hohen Proteinwert. Ronald Bredendiek allerdings liefert nur gut die Hälfte des Ertrages seiner zehn Hektar Raps-Anbaufläche zur Weiterverarbeitung an die Genossenschaft. Die andere Hälfte wird als Saatgut verwendet, Abnehmer ist die Meiners Saaten GmbH in Dünsen.
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Wie entstehtSaatgutraps |
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Bredendiek liefert Hybrid-Saatgut, eine Kreuzung verschiedener Rapssorten. Dazu pflanzt er neben der Parzelle mit sterilem Raps, der keine Pollen bildet, einen schmalen Streifen aus sogenanntem Vater-Raps, der über Pollen verfügt und so für die Bestäubung sorgt. Hilfreich sind Bienen und Hummeln, um die Bestäubung anzuregen. Bredendiek hat sich für jeden Hektar Saatgutraps vier Hummelvölker besorgt. Hummeln haben einen großen Vorteil gegenüber Bienen: „Sie fliegen auch bei kalten Temperaturen“, erklärt der 42-Jährige.
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Wie viel Chemie braucht der Raps |
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„Ackerbau ohne jeglichen Pflanzenschutz ist schwer möglich“, sagt Bredendiek. „Die Erträge würden zusammenbrechen.“ Schädlinge wie der Rapserdfloh müssen bekämpft werden. Die Landwirte würden aber Insektizide in der Regel nur begrenzt einsetzen, versichert er. Die Mittel, die er verwende, seien für Bienen verträglich, so Bredendiek, „trotzdem spritzen wir, wenn nötig, abends, wenn der Bienenflug vorbei ist.“ Und in diesem Jahr seien Insektizide kaum nötig gewesen: Der kalte April hat den Schädlingen schon ausreichend zugesetzt.
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Welchen Vorteil hat der Rapsanbau noch |
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Ebenso wichtig wie der Ernteertrag ist beim Rapsanbau der Wert für die Fruchtfolge: „Der Raps wurzelt tief in der Erde“, erklärt Ronald Bredendiek, „das ist gut für die Struktur des Bodens. Folgefrüchte wie Triticale oder Weizen profitieren davon.“ Die jüngste Agrarreform in der Europäischen Union verpflichtet die Landwirte, die Fruchtfolge einzuhalten: Mindestens drei unterschiedliche Feldfrüchte nacheinander müssen angebaut werden, ehe die erste Frucht wieder in den Boden darf. Für Ronald Bredendiek kein Problem: Er baut acht unterschiedliche Pflanzenarten an. Raps wächst bei ihm nur alle vier bis fünf Jahre auf demselben Feld – und zwischendurch dann eben an anderer Stelle.
