Von Werner Fademrecht
Frage:
Frau Kunz, Sie haben sechsmal Nairobi besucht. Wie können Menschen, die das noch nicht getan haben, überhaupt die Probleme verstehen?Kunz:
Das Elend vieler Kinder und Familien ist nicht leicht zu beschreiben. Es ist jedesmal ein Schock. Unser Verein bekommt viele Fotos aus dem „Nest“ zugeschickt. Sie sind auch für Außenstehende sehr beeindruckend.Frage:
Welche Schicksale haben die Heimkinder zu verkraften?Kunz:
Ihre Mütter sitzen – häufig wegen nichtiger Delikte – in Gefängnissen ein. Die Kinder leben, bevor sie ins Heim kommen, auf der Straße. Sie müssen Lebensmittel stehlen, um zu überleben. Erwachsene erleben sie eigentlich nur als Bedrohung. Generell ist es gefährlich, nach Einbruch der Dunkelheit auf der Straße zu sein.Frage:
Ist eine Besserung der Lage in Kenia in Sicht?Kunz:
Leider nein. Der Bürgerkrieg zwischen den beiden großen ethnischen Gruppen bringt viele wirtschaftliche Probleme mit sich. Während der Unruhen hat es viele Vergewaltigungen gegeben. Die nächste Kinderwelle rollt auf uns zu.Die Oldenburgerin Angela Kunz hat selber bislang sechsmal das Kinderheim „The Nest“ besucht. Die Bilder der Straßenkinder und Lebensumstände könne sie nicht vergessen, sagt sie.
