Rodenkirchen - „Wachse oder weiche“: Nach dieser Devise arbeiten viele landwirtschaftliche Betriebe. Sie wollen damit die steigenden Kosten bei den auf lange Sicht in etwa gleich bleibenden Milchpreisen auffangen. Doch der niedersächsische Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) strebt an, dass damit bald Schluss ist.
Er wolle mit seiner Politik erreichen, dass möglichst viele Betriebe überleben können – und zwar unabhängig davon, ob sie ökologisch oder konventionell wirtschaften. Das betonte der 38-Jährige aus Holzminden am Donnerstagmorgen in der Markthalle.
200 Landwirte hören zu
Christian Meyer war Hauptredner der Fachtagung „Landwirte im Dialog“, die die Oldenburgische Landesbank (OLB) ausrichtete. Rund 200 Landwirte von beiden Seiten der Weser waren der Einladung gefolgt. Meyer nutzte das Forum, um Befürchtungen zu zerstreuen.
Ziel seiner sanften Agrarwende sei es, bei den Verbrauchern mehr Akzeptanz für die Landwirtschaft zu erreichen. Dabei haben die hiesigen Landwirte aber nicht mehr allzu viel Nachholbedarf: Der Ruf der Milchviehhalter sei gut – anders als etwa der von Geflügelhaltern.
Die Landwirtschaftspolitik müsse grüner und gerechter werden, sagte der grüne Minister. Dazu soll auch die Neuordnung der Subventionen beitragen. Bei den Verhandlungen zwischen Bundesregierung und Bundesländern habe er für Niedersachsen große Erfolge herausgeholt. Diese Erfolge beziehen sich allerdings hauptsächlich auf die zweite Säule der Zuschüsse, die nicht direkt bei den Betrieben ankommen, sondern etwa Dorferneuerungen oder Umweltschutz fördern.
Von den Zahlungen aus der ersten Säule sollen kleinere Betriebe und Junglandwirte bis 40 Jahre stärker profitieren, sagte Meyer. Auch bei den Auflagen will er große Betriebe stärker in die Pflicht nehmen als kleinere. Das stieß bei vielen Landwirten nicht auf Zustimmung, wie die Diskussion zeigte.
Peter Cornelius aus Blexerwisch bat den Minister dringend, bei Zahlungen aus der zweiten Säule stärker die Wirtschaftswege zu bedenken. Der Weg, an dem er wohne, halte noch 10 oder 15 Jahre durch, doch dann müsse er erneuert werden. Das werde mehrere 100 000 Euro kosten – viel Geld für ihn und den einzigen anderen Landwirt an dem Weg.
Ernst-August Abbenseth kritisierte das Umbruchverbot für Grünland. Gerade auf frisch umgebrochenen Grünland fühlten sich junge Wiesenvögel wohl; sie könnten darauf nicht verzichten.
Weniger Käfigeier
Christian Meyer erinnerte die Landwirte daran, dass die Zahl der Einwohner sinkt – und damit auch die Zahl der Milchtrinker und Fleischesser. In einem solchen tendenziell schrumpfenden Markt müssten die Landwirte mit Qualität überzeugen. Dass die Bürger bereit seien, für tiergerecht erzeugte Lebensmittel mehr Geld zu bezahlen, zeige die Verbannung der Käfighaltung. Die Zahl der verkauften Käfig-eier sei stark gesunken. In einem zweiten Schritt müsse jetzt eine Kennzeichnungspflicht für Eier in verarbeiteten Produkten wie Nudeln eingeführt werden, dann werde auch in diesem Bereich Schluss sein mit Käfigeiern.
In diesem Zusammenhang begrüßte es Meyer, dass die Ukraine das Freihandelsabkommen mit der EU nicht unerschrieben hat. Denn das hätte dem Land acht Jahre lang deutsche Hermes-Bürgschaften für neue Lege-Batterien garantiert.
