ESSEN/BERLIN/OLDENBURG - Nach dem Insolvenzantrag beim Arcandor-Konzern sind die Sorgen der Beschäftigten groß. Aber es gibt auch Hoffnung: Der Betrieb bei den von der Insolvenz betroffenen Töchtern – voran Karstadt und Quelle – geht weiter.

Zudem gibt es Interessenten. Die Otto-Gruppe etwa signalisierte Interesse an Spezialversendern. Für die Sport-Häuser gelte das gleiche.

An der Warenhauskette Karstadt will Arcandor unterdessen zunächst einen etwa 49-prozentigen Anteil behalten, wie Medien berichteten. Die Gespräche mit dem Konkurrenten Metro über einen Zusammenschluss der Warenhausketten Karstadt und Kaufhof liegen zunächst auf Eis. „Das Thema Warenhaus AG ist neu zu bewerten. Die Metro ist dann einer von mehreren Partnern“, sagte Arcandor-Sprecher Gerd Koslowski. Metro zeigte sich enttäuscht. Man hatte sich für die Übernahme des gesamten Paketes von 90 Karstadt-Häusern interessiert. 60 sollten weiter betrieben werden.

Großaktionärin Madeleine Schickedanz wies Vorwürfe, sie habe sich zu wenig für die Rettung von Arcandor engagiert, zurück: „Ich habe mich mit meinem gesamten Vermögen engagiert und damit nach landläufiger Auffassung weit über jedes vertretbare Maß ins Risiko begeben“, betonte sie in einer persönlichen Erklärung.

Unterdessen bleiben die Kunden der von Insolvenz betroffenen Firmen offenbar gelassen. Zumindest bei der Verbraucherzentrale Niedersachsen in Oldenburg gab es noch keine Anfragen besorgter Bürger. Das nächstgelegene Karstadt-Kaufhaus ist in Bremen. Sabine Schröder von der Verbraucherzentrale gab auf Anfrage einige Ratschläge:


Arcandor verspricht, dass alle Ansprüche unangetastet bleiben. Schröder rät, Gutscheine trotzdem so schnell wie möglich einzulösen. Außerdem empfiehlt sie, bei Reklamation oder Umtausch einer Ware besser keinen Gutschein mehr anzunehmen. Außer natürlich, wenn dieser sofort eingelöst wird.

Sabine Schröder rät den Verbrauchern, möglichst schnell alle Garantie-Ansprüche geltend zu machen. Empfehlenswert sei es auch, sich bei defekten Waren direkt an den Hersteller zu wenden. Bargeld-Erstattungen schätzt die Verbraucherberaterin als „problematisch“ ein.

Auch hier empfiehlt Sabine Schröder: Bestellungen so schnell wie möglich abschließen und alle Ansprüche geltend machen. Von neuen Anzahlungen rät sie ab. Arcandor verspricht zwar, dass Anzahlungen nicht verloren gehen, trotzdem sei es vorsichtshalber besser, davon abzusehen. Bei Bestellungen im Internet, z.B. bei Quelle, schütze das 14-tägige Widerrufsrecht nach Erhalt der Ware den Verbraucher. Hat ein Kunde ein Produkt bestellt, das eine lange Lieferzeit mitbringt, empfiehlt Sabine Schröder, den Vertrag zu widerrufen.

Die Kunden von Karstadt-Quelle Versicherungen können unbesorgt sein. Die Versicherungen gehören seit Ende 2008 nicht mehr zu Arcandor und sind daher auch nicht von der Insolvenz betroffen.