• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
Luftwaffe sagt Familientag in Wittmund ab
+++ Eilmeldung +++
Aktualisiert vor 10 Minuten.

Nach Eurofighter-Unfall
Luftwaffe sagt Familientag in Wittmund ab

NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Energie-Deal mit Nebenwirkungen

05.03.2019

Essen /Oldenburg Mit Äußerungen zu den Beschlüssen der Kohlekommission hat sich Johannes Teyssen auffällig zurückgehalten. Der Chef des Energiekonzerns Eon konnte die Verhandlungen über das Ende der Kohleverstromung in Deutschland gelassen verfolgen. Seine Kohlekraftwerke hatte er rechtzeitig abgestoßen. Eon setzt stattdessen auf ein Geschäftsfeld, das mit der Energiewende immer wichtiger wird – den Betrieb der Verteilnetze. Und auch beim Verkauf des von anderen produzierten Stroms an Haushalte will Eon kräftig wachsen.

Teyssen hat dazu mit dem alten Konkurrenten RWE einen Deal eingefädelt, der den Strommarkt in Deutschland umwälzt. Eon will die RWE-Netz- und Vertriebstochter Innogy kaufen. Im Gegenzug soll RWE die Ökostromproduktion von Eon und Innogy erhalten und mit 16,7 Prozent an Eon beteiligt werden. Eon wird damit zum mit Abstand größten Stromlieferanten in Deutschland, auf mehr als 12 Millionen Kunden könnte Eon nach der Innogy-Übernahme kommen.

Mit diesem Coup, der aus Dauerrivalen ziemlich beste Freunde machte, hatten Teyssen und RWE-Chef Rolf Martin Schmitz am 11. März 2018 die Öffentlichkeit überrascht – und zunächst wenig Kritik geerntet. Teyssen konnte die Gewerkschaften mit der Zusage beruhigen, der geplante Abbau von bis zu 5000 Stellen werde ohne betriebsbedingte Kündigungen über die Bühne gehen. Kartellrechtsexperten sahen keinen Grund, um den Wettbewerb beim Strom zu fürchten.

Doch inzwischen befürchten Regionalversorger und Alternativanbieter, vom Riesen Eon an die Wand gedrückt zu werden. Einer der größten Kritiker ist die EWE. „Wir sehen die geplante Transaktion von RWE und Eon kritisch, da sie in vielen Bereichen den Wettbewerb einschränken kann“, sagte Stefan Dohler, Vorstandschef des Oldenburger Energiekonzerns, gegenüber unserer Zeitung. Eon werde zum „nationalen Dominator“, warnte er. Die Kartellbehörden müssten Eon zwingen, „Netzgesellschaften und Kundengeschäft in substanzieller Größe abzugeben“, meinte er. „Gerade im Bereich neuer digitaler Geschäftsmodelle hätte Eon einen gigantischen Vorsprung durch die Anzahl an Daten, die Eon als größter Messstellenbetreiber automatisch erhält.“

Der Ökostromanbieter Lichtblick sieht gar das „Ende des wettbewerblichen Strommarktes in Deutschland“ kommen. Auf zwei Drittel der Fläche Deutschlands werde der Eon-Marktanteil bei über 70 Prozent liegen, hat Lichtblick von einer Beratungsgesellschaft ausrechnen lassen.

Auch Verbraucherschützer betrachten die wachsende Marktmacht des Essener Konzerns kritisch. „Innogy und Eon sind an vielen Stadtwerken beteiligt, deren Kunden zum Teil nicht aus der relativ teuren Grundversorgung heraus können“, sagt Thomas Engelke, Energieexperte der Verbraucherzentrale Bundesverband. Die EU-Kommission müsse genau prüfen, dass durch die Fusion die Preise für die privaten Verbraucher nicht steigen.

Teyssen hält solche Befürchtungen für unbegründet. Eon komme auch nach einer Übernahme von Innogy in ganz Deutschland nur auf einen Marktanteil von 20 Prozent. „Der Wettbewerb ist nicht gefährdet“, versichert er. Es gebe keinen Postleitzahlbezirk in Deutschland, in dem die Kunden „nicht unter 100 Angeboten auswählen können“. Künftig allerdings mit einem noch größeren Eon-Anteil. Denn außer der eigenen bundesweiten Discountmarke „E wie einfach“ wird künftig auch die bisherige Innogy-Marke Eprimo zum Eon-Reich gehören.

Auch der Energieökonom Prof. Andreas Löschel glaubt nicht, dass Eon Preissprünge durchsetzen könnte. „Der Wettbewerb funktioniert eigentlich recht gut. Es ist schwierig, höhere Preise durchzusetzen. Noch schwieriger wäre das, wenn die deutschen Kunden wechselwilliger wären“, sagte der Wissenschaftler der Uni Münster, der die Expertenkommission „Energie der Zukunft“ der Bundesregierung leitet.

EU-Kommission und Bundeskartellamt haben schon den RWE-Teil des Milliardendeals ohne Auflagen durchgewinkt. Gegen die Beteiligung von RWE an Eon und die Übernahme der erneuerbaren Energien gebe es keine „wettbewerbsrechtlichen Bedenken“. Wie das die Wettbewerbshüter beim Kundengeschäft beurteilen, ist indes offen. Ob sich Brüssel am bundesweiten Maßstab orientiert, oder regionale Teilmärkte betrachtet und Eon zumindest Auflagen macht, dürfte sich erst im Sommer herausstellen.

Jörg Schürmeyer Redakteur / Wirtschaftsredaktion
Rufen Sie mich an:
0441 9988 2041
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.