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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Thyssenkrupp will 6000 Stellen streichen

11.05.2019

Essen Thyssenkrupp-Chef Guido Kerkhoff hat bei der Sanierung des kriselnden Industriekonzerns einen Rückschlag erlitten. Die schon weit vorangetriebene Stahlfusion mit dem indischen Konkurrenten Tata sei „am Widerstand der Europäischen Kommission gescheitert“, sagte er am Freitag. In den kommenden drei Jahren will der Essener Konzern jetzt 6000 Stellen streichen, 4000 mehr als bisher geplant. Entlassungen schließt er dabei nicht aus. Auch Tata rechnet mit einem Nein der Wettbewerbshüter zu der Stahlfusion.

Wegen des erwarteten Vetos aus Brüssel sagte Kerkhoff auch die geplante Aufspaltung von Thyssenkrupp in zwei eigenständige, börsennotierte Unternehmen für Werkstoffe und für Industriegüter ab. „Der Konzern bleibt als Ganzes erhalten“, kündigte er an. Um neues Geld in die Kasse zu bekommen, will Kerkhoff jetzt die profitable Aufzugssparte des Konzerns an die Börse bringen. Das hatten Investoren immer wieder gefordert. An der Börse kam die Ankündigung gut an. Der Aktienkurs legte zeitweise um mehr als 20 Prozent zu.

Die Fusion galt als ein Kernstück des geplanten Konzernumbaus. Durch den Zusammenschluss wäre Europas zweitgrößter Stahlkonzern mit rund 48 000 Mitarbeitern und Werken in Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden entstanden. Thyssenkrupp wollte damit die Abhängigkeit vom schwankenden Stahlgeschäft verringern, das unter Überkapazitäten und dem Wettbewerbsdruck aus Asien leidet.

Für die 27 000 Mitarbeiter von Thyssenkrupp beim Stahl sei das Veto der EU-Kommission „ein harter Schlag“, sagte Kerkhoff. Ihnen hätte die Fusion „eine Zukunftsperspektive gegeben“. Die IG Metall hatte eine Beschäftigungsgarantie bis 30. September 2026 sowie eine langfristige Standortsicherung erreicht.

Dieser Tarifvertrag werde jetzt nicht in Kraft treten, sagte Personalvorstand Oliver Burkhard. Betriebsbedingte Kündigungen könnten bei einem Abbauprogramm dieser Größenordnung nicht ausgeschlossen werden. Von den 6000 Stellen sollen 4000 in Deutschland abgebaut werden. Weltweit hat der Konzern rund 160 000 Mitarbeiter. Die Verwaltungskosten will Thyssenkrupp von derzeit 380 Millionen Euro in den nächsten zwei Jahren nahezu halbieren.

Die IG Metall forderte auch unter den neuen Bedingungen „langfristige Sicherheiten“ für die Beschäftigten.

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