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Essgarten wächst und gedeiht

Christian Korte

Winkelsett - Frits und Heike Deemter haben mal wieder internationale Hilfe. Im Essgarten der Familie in Barjenbruch packen seit einigen Tagen drei junge Männer kräftig mit an, die verschiedener nicht sein könnten. Jasur Ergashev und Sanjar Nakhalboev kommen aus Samarkand in Usbekistan, Axel Elisasson aus Kungälv in Schweden. Alle drei sind über das weltweite Netzwerk Wwoof (World-wide Opportunities on organic Farms) nach Winkelsett gekommen. Schon mehrfach haben die Deemters junge Leute bei sich aufgenommen, die Erfahrungen in ökologisch arbeitenden Landbaubetrieben sammeln und dafür ihre Arbeitskraft zur Verfügung stellen.

Arbeitskraft ist gefragt

Und Arbeitskraft können Frits und Heike Deemter im Moment wirklich gut brauchen. Auf dem 2,5 Hektar großen Areal mit der riesigen Sammlung essbarer Pflanzen aus aller Welt soll in den kommenden Monaten das lange geplante Besucherzentrum entstehen. Dort werden die Essgarten-Besucher künftig verschiedenste Gerichte probieren können, die das Ehepaar aus den Pflanzen in seinem Garten zaubert. „Das Haus wird im Oktober aufgestellt“, sagt Frits Deemter.

Viele Formalitäten

Geplant ist nicht etwa ein Neubau: Die Deemters haben das Gebäude einer Gärtnerei in Gifhorn erworben und werden es in Winkelsett wieder aufstellen. 199 Quadratmeter unter einer großen Glasfläche mit automatischer Beschattung werden dann Platz für eine professionelle Küche, Sanitäranlagen und einen Gastraum bieten.

Es seien zwar viele Formalitäten und Hürden zu meistern gewesen: Doch sowohl Landkreis als auch Gemeinde hätten aber bereitwillig Steine aus dem Weg geräumt und viel Unterstützung für das Projekt geleistet, sagt Frits Deemter.

Für das Fundament des Gebäudes und einen Parkplatz, auf dem auch Busse wenden können, wurden zuletzt hunderte Kubikmeter Erde ausgehoben. Die lag dann auf einem riesigen Haufen am Eingang des Areals. Und weil bei Familie Deemter nichts ungenutzt bleibt, haben die drei „Wwoofer“ die Erde gemeinsam mit Frits Deemter mit einer großen Trockenmauer eingefasst. So entstand ein fast mediterranes Gelände mit Sitzgelegenheiten und Platz für viele Pflanzen.


Internationales Team

Die Zusammenarbeit der drei sehr unterschiedlichen Gäste funktioniere mittlerweile sehr gut, sagt Frits Deemter. „Am Anfang war es natürlich so, als ob sie von verschiedenen Planeten kämen.“ Nach einer Woche sei aus den Dreien aber ein tolles Team geworden. Besonders die 26 und 30 Jahre alten Usbeken hätten bei der körperlichen Arbeit losgelegt „wie Obelix, wenn er Zaubertrank bekommt“.

Jasur und Sanjar studieren Informatik beziehungsweise klassische Landwirtschaft, Axel ist Gärtner und plant in Schweden einen Selbstversorger-Hof aufzubauen. Sie alle können viel nach Hause mitnehmen, lassen aber auch viel Wissen da. „Das Klima in Usbekistan ist ganz ähnlich wie bei uns“, sagt Deemter, der sich von den beiden Gästen erklären lies, wie es in ihrer Heimat gelingt, Pistazien und Granatäpfel im Winter vor dem Frost zu schützen. Das wird er sich bald selbst ansehen können, eine Einladung nach Usbekistan wollen er und seine Frau annehmen.

Kochbuch kommt

Gearbeitet wird im Essgarten von sieben bis eins. Dann steht das Mittagessen für acht Personen auf dem Tisch, denn die Söhne der Deemters sind während der Semesterferien ebenfalls in Winkelsett. „Die Usbeken sind zwar jederzeit bereit für eine zweite Schicht, aber am Nachmittag gehen die Jungs auch gerne alle zusammen ins Schwimmbad“, sagt Deemter. Den internationalen Kontakt sieht seine Frau Heike auch als ein Stück Friedensarbeit.

Im Frühjahr 2017, so hofft das Paar, soll das Erweiterungsprojekt abgeschlossen sein und die ersten Gruppen können bewirtet werden. Und dann soll auch das eigene Kochbuch fertig sein. „Das wird derzeit bei einem süddeutschen Verlag vorbereitet und soll Anfang 2017 auf den Markt kommen“, so Deemter.

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