ETZHORN - Wie an jedem Morgen der vergangenen Jahrzehnte schließt Hans-Dieter Gode an diesem Tag seinen Friseursalon auf. Es ist bitterkalt draußen, die Sonne scheint – und der 68-Jährige hat ein „komisches Gefühl“, wie er selbst sagt. Nach 72 Jahren schließt der Friseursalon Gode an der Butjadinger Straße: der Salon, den Godes Vater Karl 1936 eröffnete, in dem er 1960 seine Lehre begann und den er 1981 übernahm.

Anlass genug für Godes Stammkunden, ein letztes Mal vorbeizuschauen – denn auf eine Stammkundschaft und den persönlichen Draht zu den einzelnen Menschen legt Gode sehr großen Wert. Manche kennt er von kleinauf: „Ich konnte bei einigen den Werdegang verfolgen. Ich hab’ mich gefreut, wenn aus den Leuten was geworden ist.“ Überhaupt ist ihm der Bezug zur Gegend und den Menschen hier wichtig, schließlich ist er in Etzhorn aufgewachsen.

„Als ich meinen Kunden erzählt habe, dass ich zum Ende des Jahres den Laden schließe, hörte ich von den meisten ,Das ist aber schade‘. Als ich dann gesagt habe, dass ich weiterhin als mobiler Friseur im Einsatz bin, folgte ein ,Gott sei Dank, dann brauch’ ich mir keinen neuen Friseur zu suchen‘“, freut sich Gode. Daran habe er gemerkt, dass er als Mensch angekommen sei, dass er persönlich wertgeschätzt werde. Somit sei dieses Jahr auch viel mehr los gewesen als sonst zur Weihnachtszeit. Von einem Kunden aus Wahnbek hat er sogar schon ein Abschiedsgeschenk bekommen, „Danke für 26 Jahre Haare schneiden“ steht in Hellblau drauf geschrieben.

Im Radio läuft ein Lied von Elvis Presley: „Seitdem ich mir vor einigen Jahren ein neues Auto gekauft habe, läuft im Salon nur noch Bremen 1. Dieser Sender war nämlich damals im Auto eingespeichert, und mir gefiel die Musik“, berichtet Gode über einen glücklichen Zufall.

„Hier hab’ ich noch ein paar Sachen“, meint Gode zu einem Besucher, denn alle Produkte werden heute zum halben Preis verkauft. Besucher Kai Acquistapce ist sehr interessiert: „Die Farben nehme ich gerne, auch ein paar mehr. Die Farbe 5/0 kann ich immer gebrauchen.“ Doch nicht nur an den einzelnen Produkten ist Acquistapce interessiert: „Ich würde den Salon gerne mit einem Freund weiterführen“, verrät er. Gode würde es freuen, den Laden, in dem er sich blind zurechtfinden würde, weiterhin als Friseursalon genutzt zu wissen. Wenn er am Laden vorbeifährt, wird sein Blick immer in Richtung des Friseursalon-Schildes gehen – noch steht Gode drauf.


Besonders wichtig war Gode in seinem Beruf immer, dass für seine Kunden das rauskommt, was sie sich gewünscht haben. „Ein Kunde erzählte mir mal, dass er sich mal schnell die Haare woanders schneiden lassen wollte. In jenem Salon war wohl gerade wenig los, also setzte er sich auf den Friseurstuhl und erklärte der Friseurin genau, wie er die Haare haben wollte. Die Frau meinte: ,Sind Sie der Friseur oder ich?‘. Da stand der Mann umgehend auf und verließ den Salon wieder“, schildert Gode. So etwas gäbe es bei ihm nicht, „man darf doch seinen Wunsch äußern!“.

Seine neu gewonnene Freizeit möchte Gode seinem Hobby widmen, dem Bauen von Schiffs- oder Flugzeugmodellen, von denen auch ein paar im Laden stehen. Außerdem kann er mehr Zeit mit seiner Frau Imke verbringen, die er 1974 in einem Lokal in Bad Zwischenahn beim Tanz kennen gelernt hat. „Das Wort Disko gab es damals noch gar nicht“, meint Gode. „Im Nachhinein habe ich genau das Richtige gemacht. Hätte ich heute noch einmal die Wahl – ich würde alles genauso machen“, ist Gode überzeugt und freut sich auf den neuen Lebensabschnitt.