Bremen/Wilhelmshaven - Es kommt selten vor, dass zwei Geschäftsführer in einer Sache so unterschiedlicher Meinung sind – und das auch noch öffentlich kundtun. Bei der Frage nach einer möglichen Erweiterung des Jade-Weser-Ports in Wilhelmshaven, die u.a. Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) ins Spiel gebracht hatte, war das aber jetzt der Fall.
„Aus unserer Sicht gibt es überhaupt keine Veranlassung, weiter Kapazität in Wilhelmshaven zu bauen“, meinte Emanuel Schiffer, Vorsitzender der Geschäftsführung beim Terminalbetreiber Eurogate, am Dienstag in Bremen. Bei einer Überkapazität in den deutschen Häfen von zusammen acht Millionen Standardcontainern (TEU) „macht das keinen Sinn“. Das Land solle besser dafür sorgen, dass sich Firmen am Jade-Port ansiedeln, die den Hafen nutzen. Denn hier sei abgesehen von Nordfrost wenig passiert.
Größere Schwankungen
Nur wenige Minuten später äußerte sich auch Thomas Eckelmann, ebenfalls Vorsitzender der Eurogate-Geschäftsführung zur Erweiterungsdiskussion. „Ich finde es nicht falsch, dass man in Hannover darüber nachdenkt“, sagte er. Wilhelmshaven werde auch künftig in erster Linie ein „Transshipment-Hafen“ bleiben, bei dem Güter von großen auf kleinere Schiffe, die Bahn oder Laster verladen werden. Und in diesem Bereich gebe es durchaus größere Schwankungen, so dass es Sinn mache, sich auf alle Eventualitäten vorzubereiten.
Einhellig zufrieden zeigten sich beide dagegen mit der Entwicklung des Jade-Ports. Wie berichtet, hatte sich das Umschlagvolumen 2015 mit 426 751 TEU im Vergleich zum Vorjahr mehr als verfünffacht (plus 536,2 Prozent). Allerdings kam der Jade-Port, der auf eine Gesamtkapazität von 2,7 Millionen TEU ausgelegt ist, auch von einem sehr niedrigen Ausgangsniveau und profitierte von einem Sondereffekt. Wegen eines Unglücksfalls blockierte ein Frachter über mehrere Wochen einen Liegeplatz in Bremerhaven, so dass Schiffe stattdessen Wilhelmshaven ansteuerten.
Für 2016 rechnet die Eurogate-Führung trotz eines guten Jahresstarts laut Schiffer nur mit einem „leichten Wachstum“ am Jade-Weser-Port. Grund: Der Tiefwasserhafen wurde 2015 praktisch ausschließlich von Schiffen der „2M-Allianz“ der Reedereien Maersk und MSC angesteuert – und daran werde sich auch 2016 nichts ändern.
„2017 wird das entscheidende Jahr für Wilhelmshaven“, sagte Eckelmann. Aufgrund von Fusionen und Zusammenschlüssen würden sich zurzeit bei den Reedereien viele neue Allianzen bilden. Bei Eurogate hofft man, dass auch der Jade-Port dann 2017 davon profitieren kann.
Insgesamt musste Eurogate wegen der weltweit schwächelnden Konjunktur an seinen elf Terminals in Europa und Nordafrika einen Rückgang beim Umschlag um 2,0 Prozent auf 14,6 Millionen TEU hinnehmen. Dabei verzeichnete neben Wilhelmshaven auch der Terminal in Hamburg mit einem Plus von 0,5 Prozent auf 2,3 Millionen TEU einen Zuwachs. Einbußen um 4,3 Prozent auf 5,5 Millionen TEU musste indes Bremerhaven hinnehmen.
Mehr Umsatz
Trotz des Umschlagrückgangs schloss Eurogate das Jahr aber mit positiven Ergebnissen ab. Der Umsatz stieg um 4,5 Prozent auf 591 Millionen Euro, der Jahresüberschuss wuchs um 13,4 Prozent auf 73,5 Millionen Euro.
Im laufenden Jahr will Eurogate weiter expandieren und steht kurz davor, auf Zypern den Betrieb des Limassol Containerterminals, das privatisiert werden soll, zu übernehmen. Mitte April sollen laut Eckelmann die Verträge unterzeichnet werden.
Zudem sieht Eurogate Chancen für eine Beteiligung im Iran. Die Firmengruppe werde sich gemeinsam mit dem iranischen Terminalbetreiber Sina Port um das Containerterminal CT2 im Hafen von Bandar Abbas bewerben, so Eckelmann. Bereits 2015 sei man dazu ein Joint-Venture eingegangen. „Im Iran sehen wir einen großen Wachstumsmarkt“, sagte er.
