Nordenham - Gute Arbeit und ein soziales Europa – diese Forderungen standen im Mittelpunkt bei der Maikundgebung, zu der der Nordenhamer Ortsverband des Deutschen Gewerkschaftsbundes aufgerufen hatte. Rund 70 Männer, Frauen und Kinder versammelten sich am Donnerstagmorgen zum Demonstrationszug auf dem Bahnhofsvorplatz, um von dort mit Fahnen und Transparenten in Richtung Jahnhalle zu ziehen. An der Kundgebung im Kulturzentrum beteiligten sich etwa doppelt so viele Menschen.
Signal gegen Rechts
Ulrich Gransee vom DGB-Bezirk Niedersachsen/Bremen/Sachsen-Anhalt hielt die Hauptrede in der Jahnhalle. Er rief dazu auf, an der bevorstehenden Europawahl teilzunehmen. Es sei nie wichtiger gewesen, seine Stimme abzugeben. Auch um ein deutliches Signal gegen das Erstarken rechter Rattenfänger zu setzen.
Ulrich Gransee wies auf die zunehmende Verelendung in Südeuropa hin. Infolge der Finanzkrise seien ganze Volkswirtschaften und Arbeitsmärkte zusammengebrochen. Die Jugendarbeitslosigkeit In Spanien und Griechenland liege bei fast 60 Prozent. In diesen Ländern werde zudem die Tarifautonomie faktisch abgeschafft. Für die Regierungen sei klar, wer die Zeche zahlen muss. „Dies ist auch ein Angriff auf uns. Wir fordern ein Europa, in dem sozialer Ausgleich mehr als eine Floskel ist.“
Norbert Gransee erinnerte an die Bereitschaft der europäischer Länder zur Versöhnung nach dem Krieg. Europa sei ein Garant für Frieden und Freiheit. „Dieses Europa dürfen wir auf keinen Fall leichtfertig opfern.“
Der DGB-Ortsverbandsvorsitzende Mustafa Dogan forderte eine arbeitnehmerfreundliche Politik in Deutschland und in Europa. Als Beispiel dafür, dass einige Forderungen der Gewerkschaften bereits Gestalt annehmen, führte er die Einführung des flächendeckenden Mindestlohns an. Er müsse aber ohne Klauseln und Hintertürchen umgesetzt werden. Der Mindestlohn sei zwar kein Allheilmittel, aber der richtige Weg. „Niedrige Löhne heute bedeuten später auch niedrige Renten.“ Mustafa Dogan zitierte Mahatma Gandhi mit den Worten: „Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht genug für jedermanns Gier.“
Mustafa Dogan nutzte die Gelegenheit auch für eine Stellungnahme zur aktuellen Krankenhaus-Diskussion in der Wesermarsch. Der DGB stehe für den Erhalt beider Krankenhäuser ein und für den Weiterbau in Esenshamm. „Es kann nicht sein, das in einem reichen Land wie unserem die Gesundheit der Menschen für Kapitaloptimierung aufs Spiel gesetzt wird.“
Revolution Bildung
Auch der Ortsjugendausschuss der IG Metall meldete sich bei der Veranstaltung zu Wort. Ömer Yagiz stellte einen selbst getexteten Rap-Song vor, in dem er Werbung für die Jugendorganisation machte. Thorben Müller stellte die Kampagne Revolution Bildung vor, in der es um die Verbesserung der Ausbildungs- und Weiterbildungssituation geht. Bildung sei immer mehr zur Ware geworden – nicht die Persönlichkeitsentwicklung stehe im Vordergrund, sondern der Profit.
Bürgermeister Hans Francksen stärkte den Gewerkschaftern bei ihren Forderungen den Rücken. Er kritisierte die Vielzahl prekärer Beschäftigungsverhältnisse, die dazu führten, dass immer weniger Menschen den Mut haben, eine Familie zu gründen.
Die Unterhaltung kam bei der Kundgebung in der Jahnhalle nicht zu kurz. Die Band Jasch spielte, draußen luden Gewerkschafter die Kinder zu verschiedenen Spielen ein. Außerdem hatte das Technische Hilfswerk Nordenham seine Hüpfburg aufgebaut.
