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EM-Trainigslager Deutschlands beste Baugesellen treffen sich in Bad Zwischenahn

Maurergeselle Tim Hakemeyer vor seiner „Löwenmauer“, in Anlehnung an das Wappentier Danzigs. Dort findet im September die Europameisterschaft der Berufe statt, bei der Hakemeyer nach Gold greifen möchte.

Maurergeselle Tim Hakemeyer vor seiner „Löwenmauer“, in Anlehnung an das Wappentier Danzigs. Dort findet im September die Europameisterschaft der Berufe statt, bei der Hakemeyer nach Gold greifen möchte.

Zentralverbund Deutsches Baugewerbe

Bad Zwischenahn - Ein Löwe konnte am Mittwoch mitten in Rostrup (Bad Zwischenahn) gesichtet werden. Doch in diesem Fall sind, anders als es kürzlich in Berlin vermutet wurde, keine unaufmerksamen Zoopfleger verantwortlich, sondern ein Maurer-Geselle. Und der „Löwe“ ist kein entlaufenes Wildschwein, sondern ein Gebilde aus Klinkersteinen.

Die Mauer, in die das besagte Tier gut sichtbar eingearbeitet wurde, ist das Machwerk von Tim Hakemeyer, dem deutschen Vizemeister im Maurerhandwerk. Im Bau-ABC, einem Baubildungszentrum in Rostrup, bereitet sich der Hannoveraner auf die Europameisterschaften der Berufe, auch „EuroSkills“ genannt, in Danzig vor. Er ist einer von vier Gesellen, die dort vom 5. bis 9. September das deutsche Baugewerbe vertreten. In einem Trainingslager kam das Nationalteam diese Woche zusammen, um unter simulierten Wettbewerbsbedingungen zu zimmern, zu mauern, zu bauen und zu verlegen.

18 Stunden bekamen Hakemeyer und seine Kollegen, um nach exakten Vorgaben eigene Modelle zu fertigen – also Arbeiten gegen die Uhr, aber stets unter Aufsicht der Trainer. Neben dem Löwen, dem Wappentier Danzigs, soll Hakemeyer Mauern mit dem Stadtwappen Danzigs und der Jahreszahl 2023 fertigen. Zeichnen, schneiden, mauern, verputzen – ein Modul nach dem anderen. Eine schweißtreibende Angelegenheit, die der 23-Jährige aber innerhalb des Zeitfensters bewältigt.

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Hilfe vom Weltmeister

Wie kommt man dazu, sich beruflich auf Wettkampfbasis zu messen? „Es reizt mich zu sehen, was ich alles erreichen kann“, sagt Hakemeyer, der ab Oktober die Meisterschule besuchen möchte. Sein Ziel: „Eine Medaille, bestenfalls die Goldmedaille.“

Wie man das schafft, weiß Pierre Holze. Im vergangenen Jahr hat er sich bei der Weltmeisterschaft für Maurer gegen 19 Konkurrenten durchgesetzt. Hinter dem WM-Titel steckten 50 Wochen Vorbereitung, für die er vom Arbeitgeber freigestellt wurde. Nun ist er in Rostrup, um seinem Teamkollegen letzte Tipps an die Hand zu geben. „Er hat sich schon viel abgeguckt“, so Holze. „Und das Verputzen kann er gut, das hat mir nicht so gut gelegen.“ Auch was die Nervosität vor dem Wettkampf angeht, wolle er ihm Ratschläge geben.

Von erfolgreichen Gesellen wie Holze profitiert das ganze Team, sagt Trainer Kevin Schulz. Sein Schützling sei die ganze Woche „fokussiert“ gewesen. Das sei wichtig, schließlich schauen die Juroren bei den Meisterschaften nicht nur auf die Zeit, sondern vor allem auf Genauigkeit und Sauberkeit. „Tim möchte unbedingt, dass es losgeht. Es sind super Werkstücke geworden. Wir sind startklar.“

Die Europameisterschaft der Berufe

Unter den Namen EuroSkills finden vom 5. bis 9. September im polnischen Danzig die Europameisterschaften der Berufe statt. Die Veranstalter rechnen mit 600 jungen Fachkräften aus 31 Ländern, die an Wettbewerben in 45 bis 50 Disziplinen teilnehmen. Es werden rund 100.000 Besucher aus ganz Polen und dem Ausland erwartet.

Die deutsche Nationalmannschaft des Baugewerbes konnte in den vergangenen internationalen Wettbewerben bereits große Erfolge erzielen. Bei den WorldSkills, den Weltmeisterschaften, im vergangenen Jahr gab es Gold im Maurer-Wettbewerb und Silber in den Wettbewerben der Zimmerer, Fliesenleger und Beton- und Stahlbetonbauer.

Perfektionismus und Teamspirit

Startklar ist auch Jonas Lauhoff aus dem thüringischen Martinfeld, der in Danzig für die Zimmerer antritt. Er hat im Trainingslager einen Holz-Pavillon mit Sitzmöglichkeit gebaut. Zeichnung, Holzanriss, Holzzuschnitt und Zusammenbauen – das ist der übliche Ablauf, doch es gebe immer noch was dazu zu lernen: „Ich war immer schon Perfektionist, liebe es genau zu arbeiten und immer besser zu werden“, so der 22-Jährige.


Nils Kugler vertritt Deutschland beim Wettbewerb der Stuckateure. Zu den üblichen Baumodellen gehören hier Trockenbaukonstruktionen mit Tür- und Fensteröffnungen und Rundungen nach genauen Maß- und Radiusvorgaben. Es sei der „Konkurrenzkampf“, der Kugler besonders motiviert. Zwei Wände und ein Bodenstück mit Wanne hat Robin Liebler mit Fliesen belegt. Diese sollten den Umriss Österreichs und ein Eurozeichen abbilden. Eine Vorgabe von den vergangenen „EuroSkills“, die in Graz stattfanden. Liebler hat nicht nur seinen eigenen Erfolg im Kopf: „Mir geht es auch darum, das Werk zu repräsentieren und bestmöglich Werbung zu machen.“

Damit verkörpert er den Teamgedanken, der in der ganzen Mannschaft herrscht. Denn auch dazu dient das Trainingslager in Rostrup: Das Kennenlernen von Kollegen und das Zusammenwachsen als Gruppe. So standen in dieser Woche neben dem Schuften in der Bauhalle auch Minigolf und ein Barbecue auf der Tagesordnung.

Florian Fabozzi
Florian Fabozzi Digitalteam Wesermarsch
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