EVERSTEN - Auch vor offenen Bürotüren kann man Schlange stehen – so ist es jedenfalls bei Brigitte Siefken. Sich mit der Leiterin der Kita Bloherfelde noch einmal vor ihrem Ausscheiden aus dem Amt unterhalten zu wollen heißt auch, sich durch eine Horde Kinder kämpfen zu müssen.
Anja hat es geschafft und steht mit ihrem Poesiealbum hinter dem Schreibtisch. „Das wird aber eine Weile dauern“, muss Siefken sie mit ihrem Eintrag auf später vertrösten, was Anja aber gar nichts ausmacht. „Dass ich immer ein offenes Ohr für Kinder, Eltern und Erzieher habe, gehört zu meinem Konzept“, sagt Siefken.
Nach 40 Jahren im Dienst der Kirchengemeinde Eversten geht Siefken (59) in Altersteilzeit. Wer in Zukunft ihre Ganztagsstelle in der Kita übernehmen wird, ist noch nicht geklärt. „Ich möchte meine 13 Mitarbeiterinnen in gute Hände geben. Wir vertrauen uns hier blind“, so die resolute Frau.
„Palaver“ um ihre Person mag sie eigentlich überhaupt nicht, und doch findet dies in den letzten Tagen oft statt, denn Kinder und Erzieherinnen werden ihre „Mutter der Nation“, wie sie scherzhaft genannt wird, vermissen. „Ich kann das gar nicht sagen, so toll ist die. Wenn Frau Siefken nicht mehr im Kindergarten ist, kann mich keiner so toll drücken“, wird die vierjährige Hanna im Gemeindebrief zitiert.
„Bei mir dürfen die Kinder ruhig auch mal sagen, was ihnen stinkt, und das tun sie auch“, sagt Siefken. Psychologische Beratung, Trauergespräche, ärztliche Versorgung, Gärtnerei und sogar Klempnerarbeiten bekommt man bei Brigitte Siefken, das haben ihr die Erzieherinnen auf kleinen Pappkärtchen verteilt bescheinigt. „Wenn es in der Familie mal schiefläuft, kann ich mich manchmal auch nicht ganz raushalten. Oft haben sich Eltern dafür sogar bedankt, dass ich ihnen mal die Leviten gelesen habe. Andere nennen mich ,Feldwebel“, sagt Siefken und lacht.
Seit August 1988 leitet sie die Tagesstätte. Vorher war sie in der Kita an der Edewechter Straße und am Nikolaikirchweg tätig. 1980 ging sie in Mutterschutz. In den Kindergarten wollte sie damals eigentlich nicht zurück – aber „es kam anders“. Der Abschied wird ihr schwerfallen: „Am 18. Juni ist mein letzter Tag, aber daran denke ich nicht, denn noch habe ich alle Hände voll zu tun“, sagt sie und lacht. Erstmal sei aber ein Urlaub an der Reihe, den ihr die Aschewolke vor ein paar Wochen verwehrt hat.
