EVERSTEN - Alles, was im Laufe eines Jahrhunderts geschehen kann, hat Gertrud Bartels miterlebt: zwei Weltkriege, die Jahre des Wiederaufbaus, Trennung von West und Ost und dann die Vereinigung. Deutsche Geschichte, die den Rahmen für die eigene Biografie bildet. Am Donnerstag feierte Gertrud Bartels (geb. Schröder) ihren 100. Geburtstag im DRK-Schwesternheim an der Bodenburgallee.
Es sind bewegende Jahre, auf die die Jubilarin zurückblicken kann: Am 20. Januar 1911 wurde sie als Tochter des Gründers der Stadtbäckerei geboren. Aufgewachsen ist sie mit dem jüngeren Bruder Hans in der Tannenstraße in Eversten. Es folgt die Grundschulzeit und der anschließende Besuch der Cäcilienschule. Die aber muss sie auf Anraten des Vaters vorzeitig verlassen, um in der Bäckerei mitzuhelfen. Ihr privates Glück findet Gertrud Schröder im Jahr 1935. Da heiratet Trude, wie sie von allen genannt wird, den Bankangestellten Friedrich Bartels. „Eine Liebesheirat“, erzählt Sohn Jürgen. In den Kriegsjahren leitet sie die elterliche Bäckerei. Der Bruder – eigentlich als Nachfolger vorgesehen – wurde eingezogen. Bis 1959 ist sie die Chefin im Laden. Dann übernimmt der Bruder das Geschäft, und die damals 48-Jährige widmet sich ausschließlich Mann und Kind.
„Als sie noch jünger war, hatte Trude viele Interessen und war sehr aktiv“, berichtet Schwiegertochter Ursel Bartels. Dazu gehörten etwa Klavier spielen, stricken oder bummeln.
Ein neuer Abschnitt begann, als sie 1974 Witwe wurde. „Trude hat viele Kurztrips unternommen, ist nach Budapest oder Alassio gereist“, sagt Ursel Bartels. Erst im hohen Alter ist sie ins Schwesternheim gezogen. Bis zum 99. Lebensjahr wohnte Gertrud Bartels – unterstützt von Sohn und Schwiegertochter – noch in ihrer Wohnung, erst danach erfolgte der Umzug.
Ihren 100. beging die Jubilarin im engsten Familienkreis. Zu den Gratulanten gehörte auch Bürgermeisterin Rita Schilling.
