Leipzig/Oldenburg - Die Oldenburger EWE ist auf dem Weg, die Mehrheit am ostdeutschen Ferngasunternehmen VNG (Verbundnetz Gas AG) zu übernehmen, ein großes Stück vorangekommen. Am Dienstag stimmte die Hauptversammlung des Leipziger Gasimporteurs einstimmig der von EWE geplanten Übernahme eines 15,79-Prozent Anteils von Wintershall zu. Nachdem zuvor bereits die Aufsichtsräte beider Unternehmen die Transaktion genehmigt hatten, steht nun nur noch die Zustimmung durch die Kartellbehörden aus.

„Wir freuen uns, dass dieser wichtige Schritt erfolgreich bewältigt werden konnte“, erklärte Dr. Heiko Sanders, EWE-Finanzvorstand und Mitglied des VNG-Aufsichtsrates. EWE war Ende 2003 bei VNG eingestiegen und hält derzeit 47,9 Prozent der Anteile. Mit dem Wintershall-Anteil, für den nach Informationen aus Branchenkreisen ein Kaufpreis im niedrigen dreistelligen Millionenbereich fällig wird, würde EWE zum Mehrheitsaktionär aufsteigen. Frühere Versuche von EWE, sich die Mehrheit bei VNG zu sichern, waren in den vergangen Jahren ebenso gescheitert wie der Versuch, die Beteiligung zu veräußern.

Ein EWE-Sprecher schloss nicht aus, dass sich der Energiekonzern weitere Anteile an dem einzigen ostdeutschen unter den 100 größten deutschen Unternehmen sichern könnte. EWE wolle das zwar nicht aktiv forcieren. „Wenn es aber Anteile auf dem freien Markt gibt, wären wir nicht abgeneigt“, sagte er.

Neben EWE und Wintershall halten bislang noch Gazprom Germania (10,52 Prozent) und zehn ostdeutsche Kommunen, die in der Beteiligungsgesellschaft VUB (25,79 Prozent) zusammengeschlossen sind, Anteile an VNG. Aus diesem Verbund hatte erst kürzlich die Stadt Erfurt signalisiert, ihren Anteil veräußern zu wollen. Käme es zu einem Verkauf außerhalb der VUB, würden die Kommunen ihre Sperrminorität verlieren.

Jörg Schürmeyer
Jörg Schürmeyer Thementeam Wirtschaft