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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

EWE-Chef zahlt Klitschko-Spende jetzt aus eigener Tasche

03.02.2017

Oldenburg In der EWE-Spendenaffäre greift Vorstandschef Matthias Brückmann tief in die eigene Tasche: Überraschend kündigte der 54-Jährige am Donnerstag an, dass er die von der EWE an die Klitschko-Stiftung überwiesene Spendensumme in Höhe von 253 000 Euro privat erstatten werde. „Da diese Zuwendung in der Öffentlichkeit für Irritationen sorgte, habe ich mich dazu entschlossen, die Summe in Gänze privat zu übernehmen“, sagte Brückmann auf Anfrage der NWZ.->

Der EWE-Chef war in die Kritik geraten, weil er das Geld auf eigene Initiative der Stiftung zugesagt hatte – in der Hoffnung, im Gegenzug Ex-Boxweltmeister Wladimir Klitschko für PR-Termine nach Oldenburg holen zu können. Brückmann und Klitschko hatten die Spende im März 2016 auf einer Gala in Kiew vereinbart. Im Oktober wurde das Geld überwiesen. Klitschko kam bislang nicht nach Oldenburg. Brückmann betonte: „Ich bin überzeugt, dass diese Spende rechtlich nicht zu beanstanden ist.“ Er selbst habe um eine externe Untersuchung des Vorgangs gebeten, die der Aufsichtsrat daraufhin bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG in Auftrag gab.

Bei den Ermittlungen geht es vor allem um die Frage, ob Brückmann Unternehmensrichtlinien verletzt hat. So darf der Vorstandsvorsitzende den Regeln zufolge im Alleingang nur Spenden bis 50 000 Euro veranlassen. Brückmann betont, dass diese Regeln erst seit dem 1. Juni 2016 gelten, die Spendenzusage aber bereits im März erfolgt sei.

Er räumte aber ein, dass er es versäumt habe, den Finanz- und Prüfungsausschuss des EWE-Aufsichtsrats vorab zu informieren. „Dies war ein persönlicher Fehler.“ Er übernehme die Summe nun privat, weil er nicht möchte, „dass Kinder in Not, die durch die Klitschko-Foundation unterstützt werden, unter der Diskussion oder meinem persönlichen Fehler leiden müssen“.

Der scheidende EWE-Aufsichtsratschef Dr. Stephan-Andreas Kaulvers begrüßte die Entscheidung Brückmanns, die Spende privat zu tragen. „Das ist ein starkes Signal und zeigt Größe“, sagte Kaulvers auf Nachfrage der NWZ. Die Ergebnisse des KPMG-Berichts über die Affäre könnten bereits am Dienstag Thema bei der Präsidiumssitzung des EWE-Aufsichtsrats sein.

Kaulvers wird sein Amt im Mai 2017 abgeben. Neuer Aufsichtsratschef soll nach NWZ-Informationen der ehemalige Leeraner Landrat Bernhard Bramlage (SPD) werden. ->

NWZ-Kommentar von Karsten Krogmann Dem EWE-Chef ist sein guter Ruf einiges wert: 253 000 Euro will Matthias Brückmann in die Konzernkasse zahlen, um die umstrittene Spende an die Klitschko-Stiftung zu erstatten. Das ist auch für den sicherlich gut dotierten Vorstandsvorsitzenden des größten Oldenburger Unternehmens viel Geld.

Warum also tut er das?

Zwei Interpretationen drängen sich auf. Erstens: Die Zahlung ist ein Schuldeingeständnis! Wer gibt schon so viel Geld aus, wenn er es nicht muss?

Zweitens: Brückmann will sich ein Ende der Diskussion erkaufen. Er räumt ein, einen „persönlichen Fehler“ begangen zu haben – und dafür will er nun buchstäblich bezahlen. Seht her, ich kippe Asche auf mein Haupt, und nun lasst uns endlich weitermachen.

Beide Sichtweisen zeigen, dass Brückmann einen riskanten Weg einschlägt. Er wird sich nun Fragen nach einem schlechten Gewissen gefallen lassen, und er wird sich flapsige Kommentare zu seinen Vermögensverhältnissen anhören müssen. Er wird aber nicht die Debatte ersticken können. Denn im Fall Klitschko geht es nicht nur um einen möglichen finanziellen Schaden – es geht vor allem um moralische Integrität. Hat hier jemand, der als Erneuerer antrat, gegen die selbst aufgestellten Transparenzregeln verstoßen?

Es ist Brückmann, der für eine neue Fehlerkultur im Unternehmen warb, anzurechnen, dass er bereit ist, eigene Fehler einzugestehen und dafür auch zu haften – notfalls mit seinem privaten Vermögen.

Es wäre deshalb unfair, diesen etwas ungelenken Versuch der Fehlerkorrektur als Schuldeingeständnis zu werten. Urteilen über Richtig und Falsch in der Spenden-Affäre wird in Kürze der EWE-Aufsichtsrat auf Grundlage eines externen Untersuchungsberichts, Ergebnis offen.

Karsten Krogmann
Redakteur
Reportage-Redaktion
Tel:
0441 9988 2020
Marco Seng
Redakteur
Reportage-Redaktion
Tel:
0441 9988 2008

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