Oldenburg/Leipzig - Mit einer Investition in dreistelliger Millionenhöhe stockt die EWE ihren Anteil am Leipziger Ferngashändler Verbundnetz Gas AG (VNG) weiter auf. Wie der Oldenburger Energieversorger am Mittwoch mitteilte, erwirbt er einen 10,52 Prozent großen Anteil an VNG, den bislang noch der russische Gasriese Gazprom über seine Tochter Gazprom Germania (Berlin) besitzt. Nachdem sich EWE bereits im Vorjahr einen 15,79 Prozent großen Anteil an VNG von Wintershall (Kassel für 320 Millionen Euro gesichert hatte, würden die Oldenburger nach der Aktienübertragung 74,2 Prozent am größten ostdeutschen Unternehmen halten.

„Wir haben immer betont, dass wir den Erwerb weiterer VNG-Anteile prüfen, wenn sie uns auf dem freien Markt angeboten werden“, sagte der stellvertretende EWE-Vorstandsvorsitzende Matthias Brückmann am Mittwoch. „Wir freuen uns, dass diese Situation nun gegeben ist.“

Der EWE-Aufsichtsrat hatte der Übernahme am Mittwoch zugestimmt. Es fehlen noch die Zustimmung der Gremien von Gazprom und VNG, was jedoch als Formsache gilt, weil EWE bereits über die Mehrheit in der VNG-Hauptversammlung verfügt. Zudem steht das Geschäft noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung des Bundeskartellamts.

Zum Kaufpreis machten die beteiligten Unternehmen keine Angaben. Wie diese Zeitung aus Branchenkreisen erfuhr, zahlt EWE aber – genau wie beim Wintershall-Deal im vergangenen Jahr – 15 Euro pro Aktie. Der Kaufpreis für das Gazprom-Paket an VNG würde dann bei rund 213 Millionen Euro liegen.

Trotz der Übernahme des Gazprom-Pakets ist weiter offen, ob EWE ihr VNG-Paket auch dauerhaft halten will. „Nach wie vor ist nicht entschieden, ob wir unsere Anteile langfristig halten oder veräußern werden – beide Optionen sind nach wie vor denkbar“, sagte Brückmann. Eine Entscheidung werde vermutlich in den nächsten Monaten, auf jeden Fall aber noch im Laufe dieses Jahres fallen, teilte ein EWE-Sprecher mit.


Interesse bekundet hat u.a. die Stadt Leipzig über die städtische Versorgungsgesellschaft LVV. Die Leipziger haben sich für eine mögliche Offerte mit dem australischen Finanzinvestor Macquarie zusammengetan. In Branchenkreisen ist zu hören, dass die LVV wohl mindestens 1,5 Milliarden Euro für das EWE-Paket hinblättern müsste. Die LVV hält gemeinsam mit acht anderen ostdeutschen Kommunen die übrigen 25,79 Prozent an VNG.

Jörg Schürmeyer
Jörg Schürmeyer Thementeam Wirtschaft