Oldenburg - Die EWE hat ihre Investitionen im ersten Halbjahr deutlich gesteigert. Wie das Oldenburger Energie- und Telekommunikationsunternehmen am Donnerstag mitteilte, erhöhten sich die Ausgaben in den ersten sechs Monaten dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 23 Prozent auf 395,8 Millionen Euro.
Der Schwerpunkt habe dabei auf Investitionen in den Aufbau eines klimaneutralen und stärker digitalisierten Energiesystems gelegen. „Unser Kurs ist klar auf Klimaschutz und Glasfaserausbau in der Region ausgerichtet“, sagte der EWE-Vorstandsvorsitzende Stefan Dohler.
Bis zu 14 Milliarden Euro
Ziel von EWE sei es, die Investitionstätigkeit im Vergleich zu den vergangenen Jahren mehr als zu verdoppeln. Kürzlich hatte EWE angekündigt, dass man das Potenzial sehe, in der kommenden Dekade bis zu 14 Milliarden Euro zu investieren. Neben eigenen Anstrengungen brauche es dafür aber den Abbau äußerer Hemmnisse etwa durch die Politik.
Andere zentrale Bilanzkennzahlen waren im ersten Halbjahr stark durch Bilanzierungs- und Bewertungseffekte im Energiebereich verzerrt. So stieg der Konzernumsatz im ersten Halbjahr um mehr als 40 Prozent auf 5,58 Milliarden Euro (1. Halbjahr 2022: 3,98 Mrd.). Noch stärker wuchs der um Sondereffekte bereinigte operative Gewinn (OEbit), die wichtigste Kennzahl für die Leistungsfähigkeit des operativen Geschäfts. Hier legte EWE im ersten Halbjahr kräftig auf 774,5 Millionen Euro zu (1. Halbjahr 2022: 136,7 Mio). Als wesentlichen Grund hierfür nannte der Konzern ein positives Ergebnis des Energiehandels.
Unterm Strich, bei EWE Periodenergebnis genannt, rutschte der Konzern dagegen – zumindest auf dem Papier – in die roten Zahlen. Wies das Unternehmen im Vorjahreszeitraum hier noch einen Gewinn von 712,4 Millionen Euro aus, steht für das erste Halbjahr 2023 aufgrund von Bilanzierungs- und Bewertungseffekten ein Verlust von 259,8 Millionen Euro in den Büchern.
„Dieses Halbjahresergebnis ist, wie bereits einige Bilanzen zuvor, deutlich von Effekten geprägt, die sich in turbulenten Zeiten aus der stichtagsbezogenen Bewertung von Derivaten ergeben“, erläuterte EWE-Finanzvorstand Wolfgang Mücher. Zum Verständnis: Das Gas, was die EWE in ihren Speichern hat, wird nicht zum noch vergleichsweise hohen Preis bewertet, zu dem die EWE es etwa im vergangenen Jahr eingekauft und an ihre Kunden weitergeben hat, sondern zum Preis vom 30. Juni 2023. Und der ist deutlich niedriger.
Im vergangenen Jahr etwa war die Situation noch genau umgekehrt, weshalb die EWE im ersten Halbjahr 2022 unterm Strich auch so einen hohen Gewinn ausgewiesen hatte. „Einige dieser Effekte kehren sich derzeit wie von uns erwartet um, so dass wir auf dem Papier ein negatives Ergebnis zu verzeichnen haben. Doch diese bilanziellen Verluste sind genauso wenig kassenwirksam, wie es die teilweise hohen Ergebnisse der vergangenen Jahre größtenteils waren“, sagte dann auch Mücher.
Ausblick weiter positiv
Für das Gesamtjahr 2023 bleibt der Ausblick des EWE-Vorstands dann auch positiv. Trotz bestehender Risiken gehe man weiter davon aus, „ein erfolgreiches Geschäftsjahr bilanzieren zu können“, sagte Mücher. Im Frühjahr hatte der Vorstand prognostiziert, dass das OEbit für das Gesamtjahr zwischen fünf und zehn Prozent über dem des Jahres 2022 (664,7 Millionen) liegen dürfte.
