Oldenburg - 1996 sah die Welt noch etwas anders aus: Helmut Kohl war Bundeskanzler, im Radio wurde „Macarena“ rauf und runter gespielt und ein Ferngespräch per Telefon kostete beim einzigen Anbieter in Deutschland, der Telekom, noch bis zu 62,6 Pfennig (32 Cent) pro Minute.
Doch das sollte sich bald ändern: Mit dem am 25. Juli 1996 in Kraft getretenen Telekommunikationsgesetz fiel zunächst das Monopol der Telekom, bald darauf fielen auch die Preise. Eine der ersten, die damals in den neuen Markt einstieg, war die EWE. Am 17. September 1996, also vor genau 25 Jahren, wurde EWE Tel in Oldenburg gegründet.
Die Anfänge
„Heute ist der Telekommunikationsmarkt hart umkämpft. Damals gab es einen großen Player, die Telekom, und zunächst bis zur Liberalisierung überhaupt keinen Wettbewerb“, erinnert sich Thorsten Wieting, einer der gerade einmal vier Mitarbeiter, die die EWE-Tochter anfangs hatte. „Das war tatsächlich ein komplett neues Feld und wir konnten – mit Unterstützung des Konzerns – etwas ausprobieren“, sagt André Wieschollek, ebenfalls EWE-Tel-Mitarbeiter der ersten Stunde. „Wir galten so ein bisschen als die jungen Wilden bei EWE“, sagt Wieschollek, heute Leiter Planung Telekommunikation bei EWE.
Der Weg
Als der liberalisierte Markt nach einer Übergangsphase dann am 1. Januar 1998 startete, begann EWE Tel mit einem eigenen Markenauftritt als Call-by-Call-Anbieter. Heißt: Wer vor der Vorwahl eine zusätzliche Vorwahl wählte, im Fall von EWE Tel war das die 01014, zahlte in der Regel für die Festnetzminute deutlich weniger als beim Platzhirsch.
Anders als andere Wettbewerber besaß EWE aber bereits bei der Öffnung des Marktes ein eigenes rund 8000 Kilometer langes Telekommunikationsnetze, das bis dato zur Steuerung des Strom- und Gasnetzes und zur eigenen betrieblichen Kommunikation genutzt wurde. Dieses baute EWE Tel in der Folgezeit aus und bot bald auch eigene Festnetzanschlüsse. Zu den ersten großen Kunden gehörte die Volksbank Oldenburg. Im Herbst 1998 wurde in Rastede das erste Ortsnetz direkt angebunden, so dass dort erstmals Haushalte im Nordwesten ihren Anschlussanbieter wählen konnten. Zudem wuchs EWE Tel durch Übernahmen (u.a. Nordcom und Osnatel).
Knapp 700 000 Telekommunikationskunden hat die EWE heute nach Konzernangaben. Vor fünf Jahren seien es erst etwa 550 000 gewesen. „Wir wachsen im TK-Bereich noch gegen den Trend“, sagt Marktvorstand Michael Heidkamp.
Mehr als 50 000 Kilometer lang ist das Telekommunikationsnetz, davon sind laut EWE fast 40 000 Kilometer Glasfaserkabel. „Die Glasfaser wird auch bei den Kundenanschlüssen das Kupferkabel in den nächsten Jahren ablösen“, sagt Norbert Westfal, Sprecher der EWE-Tel-Geschäftsführung.
1300 Mitarbeiter sind heute für EWE Tel tätig. Der EWE-Konzern insgesamt hatte nach Unternehmensangaben im Jahr 2020 im Schnitt 9141 Mitarbeiter.
530 bis 540 Millionen Euro Umsatz wird die Telekommunikationssparte laut Heidkamp in diesem Jahr voraussichtlich erwirtschaften. Vor fünf Jahren seien es rund 450 Millionen Euro gewesen. Der operative Gewinn vor Zinsen und Steuern (operatives Ebit) habe zuletzt „in einem guten zweistelligen Millionenbereich“ (Heidkamp) gelegen.
Die Situation heute
Heute verfügt die EWE über ein mehr als 50 000 Kilometer langes Telekommunikationsnetz, davon fast 40 000 Kilometer Glasfaser, auf die die Oldenburger schon vergleichsweise früh gesetzt hatten. Knapp 700 000 Kunden zählt EWE Tel heute.
„Früher war Telekommunikation Daseinsvorsorge, heute ist sie der Innovationstreiber Nummer eins“, meint EWE-Marktvorstand Michael Heidkamp. „Alle Themen von morgen, egal ob Digitalisierung oder Klima, basieren auf Telekommunikation.“ Deshalb sei es auch strategisch richtig, Energie und Telekommunikation zusammen zu denken.
EWE habe sich daher entschieden, zum einen auf Glasfaser und zum anderen auf Bündelangebote rund ums Zuhause zu setzen – auch wenn man dann nicht zu den günstigsten Anbietern gehöre. „Wer Preisführer sein will, muss auch Kostenführer sein“, so Heidkamp. „Das ist aber mit der Struktur der EWE nicht zu vereinbaren, weil wir dann alle Shops schließen und den Service herunterfahren müssten – und das wollen wir nicht.“
Als Meilenstein in Sachen Glasfaserausbau wertet er die 2020 zusammen mit der Telekom gegründete Glasfaser Nordwest. Das Joint Venture möchte in den kommenden Jahren bis zu 1,5 Millionen Haushalte und Firmen im Nordwesten mit Glasfaser erreichen und hierfür zwei Milliarden Euro investieren.
Für Tel-Pionier Wieting, heute als Netzregionsleiter bei EWE tätig, schließt sich damit auch ein Kreis: „Anfangs sind wir von der Telekom belächelt worden und heute nimmt sie uns als gleichwertigen Partner wahr.“ Die Welt sieht heute eben anders aus als 1996.
