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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

EWE verordnet sich neue Unternehmenskultur

28.04.2017

Oldenburg Die EWE will nach der Spendenaffäre und der Entlassung von Vorstandschef Matthias Brückmann sowie den Korruptionsvorwürfen gegen Mitarbeiter der Konzerntochter EWE Netz ihre internen Unternehmensregeln (Compliance) überarbeiten. Ziel sei eine Unternehmenskultur, in der Missstände zügig erkannt und behoben werden, sagte Marktvorstand Michael Heidkamp, eines der beiden verbliebenen Vorstandsmitglieder, am Donnerstag in Oldenburg.

Heidkamp und Finanzvorstand Wolfgang Mücher kündigten an, dass die Ressourcen im Compliance-Bereich auch personell verstärkt werden sollen, dass Mitarbeiter verpflichtend geschult werden sollen und dass sich hier auch die Unternehmenskultur ändern müsse. Hinweise auf Missstände dürften nicht als „Nestbeschmutzung“ verstanden werden, sondern würden dabei helfen, das Unternehmen besser zu machen, sagte Heidkamp.

EWE will an Türkei-Geschäft festhalten

Die EWE setzt ungeachtet der politischen Spannungen zwischen Deutschland und der Türkei weiter auf den türkischen Markt. Zwar räumte Vorstand Wolfgang Mücher ein, dass er persönlich „nicht besonders glücklich“ über die politische Situation in der Türkei sei. Anzeichen, dass sich die Investitionsbedingungen für ausländische Unternehmen verschlechtern würden, gebe es jedoch nicht. „Wir sehen keinen Anlass für einen Ad-hoc-Rückzug“, sagte Vorstand Michael Heidkamp.

Der Vorstand geht von einem „moderaten Wachstum“ aus und plant auch weitere Investititionen in der Türkei. Diese würden aber nur aus dem Cashflow vor Ort bezahlt. „Wir finanzieren von Deutschland aus keine Aktivitäten in der Türkei“, sagte Mücher. EWE beschäftigt in der Türkei rund 1000 Mitarbeiter.

Mücher betonte, dass die derzeit laufende Prüfung von Vorwürfen im Zusammenhang mit EWE Netz unabhängig vom operativen Geschäft weitergeführt würde. „Wir nehmen die Hinweise und Vorwürfe sehr ernst und werden sie gründlich und vorbehaltlos aufarbeiten“, sagte er. Mit dem Abschlussbericht der externen Prüfer von KPMG sei im Juni zu rechnen.

Die bisherigen Untersuchungen ließen „kein grundsätzliches Thema“, sprich kein systemisches Fehlverhalten, erkennen, sagte Mücher. Auf das operative Geschäft hätten die negativen Schlagzeilen bislang „keine erkennbaren Auswirkungen“ gehabt. Auch bei der Zahl der Kündigungen von Kunden habe es im Vergleich zu den Vorjahren keine Auffälligkeiten gegeben. Mit Blick auf Brückmann sagte der Vorstand, dass der EWE-Aufsichtsrat in seiner Sitzung am Dienstag dem geschassten Vorstandschef ebenso wie dem über die Spitzelaffäre gestolperten Personalvorstand Nikolaus Behr keine Entlastung erteilt habe.

Zufrieden zeigte sich der Vorstand mit dem „guten“ Geschäftsjahr 2016. „Wir fühlen uns momentan sehr gut aufgestellt für die Zukunft“, sagte Mücher. Er bestätigte vorläufige Zahlen, wonach 2016 unterm Strich ein Gewinn von 332,9 Millionen Euro erwirtschaftet wurde – nach einem Minus von 9,4 Millionen Euro im Vorjahr. Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern konnte EWE von 428,1 Millionen Euro auf 534,6 Millionen Euro steigern. Dabei sei das Geschäftsjahr auch von zwei Sondereffekten geprägt gewesen – dem Verkauf der Anteile an der Leipziger VNG und einer Neuregelung der Altersvorsorge bei der Bremer Tochter SWB. Der Umsatz sank 2016 um 3,2 Prozent auf 7,57 Millionen Euro. Grund seien ein geringerer Gasabsatz und gesenkte Preise für Privatkunden. Für 2017 erwartet der EWE-Vorstand wegen des Wegfalls der Einmaleffekte ein um zehn bis 20 Prozent niedrigeres operatives Ergebnis.

Der Vorstand betonte, dass sich EWE nach den turbulenten Monaten nun auf die Zukunft konzentrieren wolle. „Wir glauben, dass EWE ein ganz anderes, zweites Gesicht hat, als das, was zurzeit in der Öffentlichkeit kursiert“, sagte Heidkamp. Die Führung bekräftigte die „Strategie 2026“, die vorsieht, dass EWE in den nächsten zehn Jahren das „führende Energieunternehmen für Deutschlands Norden“ bauen will. Schwerpunkte seien erneuerbare Energien, intelligente Vernetzung, Digitalisierung und Elektromobilität. „Wir sind dabei, alle Dingen auf den Kopf zu stellen“, sage Heidkamp.

Konkret kündigte der Vorstand etwa an, dass EWE verstärkt auch Produkte und Dienstleistungen über die Grenzen des Heimatmarktes hinaus anbieten wolle. Angestrebt werde auch, künftig alles aus einer Hand anzubieten, weshalb organisatorisch Vertrieb und Telekommunikation zusammengeführt werden sollen. Die Strom-„Flatrate“, die EWE in Aurich getestet hat, sei gut angelaufen und soll deshalb künftig in weiteren Regionen angeboten und auch auf den Gasbereich ausgedehnt werden. Zudem bekräftigte der Vorstand, in den nächsten Jahren 1,2 Milliarden Euro in den Glasfaserausbau investieren zu wollen.

Jörg Schürmeyer
Redakteur
Wirtschaftsredaktion
Tel:
0441 9988 2041

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