• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Was Ältere von Jüngeren lernen können

30.01.2019
Frage: 2013 ist die „Vorständin“ in den Duden aufgenommen worden. Im alltäglichen Sprachgebrauch angekommen ist der Begriff bislang aber kaum. Sie selbst und die EWE haben bei Ihrem Start 2018 jedoch bewusst die Bezeichnung „Vorständin Personal und Recht“ gewählt. Warum?
Rövekamp: Weil das für mich nicht nur ein Symbol, sondern auch eine Realität ist. Ich bin ja nicht die einzige Frau, die in einem Gesamtvorstand eines Unternehmens tätig ist. Aber es ist schon ein Statement für uns als EWE und auch für mich persönlich, dass ich eine Frau bin und das will ich auch durch meine Bezeichnung als solche ausdrücken. Und es soll auch signalgebend sein für alle, sich mit dem Thema Vielfalt zu beschäftigten.
Frage: Wie wollen Sie die angesprochene Vielfalt über die Bezeichnung „Vorständin“ hinaus denn bei EWE konkret mit Leben füllen?
Rövekamp: Eine der ersten Maßnahmen war, dass wir Mitte 2018 die Charta der Vielfalt unterschrieben haben. Das ist weit mehr als eine symbolische Maßnahme. Denn dadurch verpflichten wir uns auch ein Stück weit, das Thema Vielfalt durch konkrete Taten voranzutreiben. Dabei ist wichtig, dass Vielfalt eine ganze Facette von Themenfeldern beinhaltet. Das ist das Thema Nationalität, das ist das Thema sexuelle Orientierung und natürlich auch das Thema, wie kriegen wir mehr Frauen in Führungspositionen. Das ist aber auch das Thema, wie gehen wir an Dinge heran, und was können wir vielleicht auch generell von jemandem lernen, der anders denkt als wir.
Dazu gehört dann auch, dass Alt von Jung lernt, für mich ein ganz wichtiger Punkt im Zeichen von demografischem Wandel und Fachkräftemangel. Mit dem Begriff „Vielfalt“ haben wir die Chance, ein Bewusstsein im Unternehmen zu schaffen, mit dem Ziel, letztlich auch mehr Offenheit für diese Themen in der Organisation und bei den Menschen zu verankern.

Einzige Frau im fünfköpfigen EWE-Vorstand

Marion Rövekamp ist seit Mai 2018 Vorständin für Personal und Recht bei der Oldenburger EWE AG. Nach dem Studium in Passau begann die Juristin ihre berufliche Karriere 1990 bei der Deutschen Telekom, unter anderem als Personalleiterin in verschiedenen Niederlassungen. Nach der Zeit bei dem Telekommunikationsunternehmen war die heute 57-Jährige zwischen 2005 und 2011 selbstständig tätig als geschäftsführende Gesellschafterin der Taxo Management Consulting GmbH. 2011 folgte der Wechsel zur Deutschen Bahn AG als Vorstand Personal DB Regio AG und Leiterin Personal DB Mobility Logistics AG.

Aufgewachsen ist die gebürtige Berlinerin im ostwestfälischen Paderborn. Heute lebt die „leidenschaftliche Joggerin“ mit ihrem Mann in Oldenburg.

Dem EWE-Vorstand gehören fünf Mitglieder an, Rövekamp ist die einzige Frau. Die weiteren Mitglieder: Vorstandsvorsitzender Stefan Dohler, Michael Heidkamp (Vorstand Markt), Dr. Urban Keussen (Vorstand Technik) und Wolfgang Mücher (Vorstand Finanzen).

Frage: Setzt EWE sich in Sachen Vielfalt auch konkrete Ziele, etwa durch bestimmte Ziel- oder Messgrößen?
Rövekamp: Wir sind da tatsächlich aktuell mitten in der Diskussion. Ob am Ende dann eine Prozentzahl oder eine qualitative Aussage stehen wird, kann ich heute noch gar nicht sagen. Ich bin da selbst ein bisschen zwiegespalten. Auf der einen Seite sehe ich natürlich, dass es sinnvoll ist, Zielzahlen zu haben. Auf der anderen Seite habe ich damit aber noch nichts umgesetzt. Es muss ja zu einem Verständnis im Unternehmen kommen, dass das ein Teil der täglichen Arbeit ist.
Frage: Warum braucht es überhaupt mehr Vielfalt?
Rövekamp: Das lässt sich relativ leicht beantworten. Das Durchschnittsalter bei EWE liegt bei 42 Jahren. In den nächsten Jahren werden wir Altersfluktuation haben. Wir wissen zudem – Stichwort Fachkräftemangel – dass die Zahl der Bewerber nach unten geht, auch wenn sie zurzeit bei EWE immer noch gut ist. Und da müssen wir natürlich schauen, wie können wir uns auch als attraktiver Arbeitgeber, der wir sind, noch Talente erschließen. Da müssen wir einfach breiter denken als bisher – im eigenen Hause, aber auch darüber hinaus.
Frage: Ist denn der Standort Oldenburg ein Hemmnis, ausreichend Fach- und Führungskräfte zu bekommen?
Rövekamp: Also zunächst einmal: Oldenburg und die Region haben von den Rahmenbedingungen einiges zu bieten. Die Stadt hat eine hohe Lebensqualität, wie ja auch kürzlich erst eine Studie unterstrichen hat. Wenn mich etwa Freunde hier besuchen, sagen die alle: Es ist ja wirklich toll, was Oldenburg zu bieten hat, gerade etwa auch bei der wichtigen Frage, wie man Privat- und Arbeitsleben gut miteinander verbinden kann.
Zugleich liegen Oldenburg und die Region aber nicht wirklich zentral und für Menschen aus Süddeutschland, dem Ruhrgebiet oder Berlin auch nicht unbedingt gleich im Fokus. Umso wichtiger ist es, über Oldenburg, über die Region, zu sprechen und sie auch bundesweit bekannter zu machen. Ich weiß da auch aus eigener Erfahrung, wovon ich rede. Als ich das Jobangebot von EWE bekommen habe, habe ich sofort gesagt: Das passt. Und dann habe ich Oldenburg gesehen und gedacht: Hmmm. Daraufhin hat mein Mann gesagt: Guck dir das doch mal an. Und dann sind wir nach Oldenburg gefahren und haben uns sofort in die Stadt verliebt.
Frage: Was tut EWE selbst, um gute Leute zu gewinnen?
Rövekamp: Erst einmal muss EWE über sich reden und zwar vor allen Dingen über die Sozialen Medien. Wir sind natürlich auf Facebook, wir twittern, wir sind auf Xing, auf LinkedIn, bei Instagram. Wir nutzen alle Kanäle, um über EWE und das, was wir tun, zu reden. Dann haben wir als Unternehmen auch eine große Bandbreite an attraktiven Themen neben Gas und Strom, wie Digitalisierung, wie Telekommunikation, wie E-Mobility oder Speicherlösungen. Und drittens bieten wir auch mit Blick auf die Arbeitsbedingungen eine Menge an. Wir bemühen uns, überall dort, wo es geht, flexible Arbeitszeiten oder auch mobiles Arbeiten anzubieten. Wir haben eine tolle Betriebs-Kita. Und das Allerwichtigste ist, dass wir auch eine Kultur von Transparenz und Miteinander in die Organisation bekommen.
Es ist wichtig, deutlich stärker kompetenzbasiert und weniger über Hierarchie miteinander zu arbeiten. Wir müssen also etwa bei der Entwicklung eines Produktes die Leute zusammenbringen, die sich damit auskennen. Ich glaube, dass wir hier bei EWE noch ganz viele verborgene Talente haben. Und die möchten wir als Vorstand noch viel stärker motivieren, sich auch zu zeigen. Auch das ist Vielfalt.
Frage: Stichwort Talente: Wie wollen Sie das von Ihnen angesprochene Thema „Alt lernt von Jung“ vorantreiben?
Rövekamp: Ein schönes Beispiel: Reverse Mentoring. Ich habe eine Mentorin, die ist Anfang 20, und die bringt mir bei, wie ich mich in den Sozialen Medien bewege. Ich bin da Lehrling und sie sagt mir, wie es geht. Wir müssen verstehen, wie die jungen Leute denken, was sie tun, was sie brauchen. Und im Zweifel müssen wir uns auch entsprechende Kompetenzen erwerben, auch ich als Vorständin. Ich bin bis zu meinem Arbeitsende nicht davor gefeit, dass ich noch einiges zu lernen habe. Das setzt aber voraus, zu akzeptieren, dass die Jungen manche Dinge besser können als die Älteren.
Frage: Sie waren zuvor für die Telekom und für die Bahn aktiv. Macht es eigentlich einen Unterschied, wenn man im Personalbereich tätig ist, ob man für ein Telekommunikationsunternehmen, die Bahn oder einen Energiekonzern tätig ist?
Rövekamp: Am Ende macht das für die Personalarbeit nicht wirklich einen Unterschied, weil die Anforderungen mittlerweile fast überall gleich sind. Alle kämpfen mit dem Fachkräftemangel. Alle diskutieren über die Frage, wie gehe ich mit Agilität um. Was heißt Digitalisierung? Wie verändern sich Arbeitsplätze? Oft ist das dann nur noch eine Frage der Größe des Unternehmens und der Komplexität. Denn je größer ein Unternehmen, desto mehr strukturelle Ebenen hat man als Vorständin dann auch zu bedienen.
Frage: Ihnen geht die „Vorständin“ problemlos über die Lippen. Wann denken Sie, dass der Begriff so gebräuchlich ist, dass auch andere ihn selbstverständlich verwenden?
Rövekamp: (lacht) Also ich bin ja gern Trendsetterin. Und je mehr weibliche Vorstände den Begriff nutzen, umso besser. Aber ich habe da keine Zielzahl. Ich nutze gern meine Position, um Trends zu setzen, aber ich bin da nicht missionarisch unterwegs und sage: Es müssen jetzt alle so machen.
Jörg Schürmeyer Redakteur / Wirtschaftsredaktion
Rufen Sie mich an:
0441 9988 2041
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.