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Elektroauto EWE will beim „E3“ den Stecker ziehen

Oldenburg - Groß war der Rummel, als EWE und Karmann im November 2009 ihr neu entwickeltes Elektroauto der Öffentlichkeit vorstellen. Selbstbewusst sprach der Oldenburger Versorger mit Blick auf den „E3“ von einer „Weltpremiere“, sei er doch das erste Elektroauto, das im Auftrag eines Energiedienstleisters gebaut wurde. Für den damals kriselnden Cabrio-Spezialisten aus Osnabrück sollte der sportliche blaue Kleinwagen nicht weniger als den neuen Hoffnungsträger darstellen.

Kaum eine Technologiemesse in der Region verging, in der das EWE-Elektroauto nicht zu sehen und von vielen Gästen umringt war. Vertreter aus Wirtschaft und Politik gaben sich die Klinke in die Hand. Sie alle wollten einmal den „E3“ testen.

Acht Fahrzeuge gebaut

Mittlerweile ist es ruhiger um das EWE-Elektroauto geworden. Auf Messen oder der Straße traf man den „E3“ – insgesamt acht Fahrzeuge wurden gebaut – zuletzt kaum noch an. In den ehemaligen Karmann-Werkshallen in Osnabrück werden nach der Übernahme durch VW heute Golf Cabrio und Porsche Boxster – und keine Elektroautos mehr – gebaut.

„Eine Neuauflage des E3 wird es nicht geben“, sagt Dr. Jörg Hermsmeier, Leiter Forschung und Entwicklung bei EWE. „Das Projekt war aber auch von Anfang an befristet angelegt.“

Trotz der begrenzten Dauer ist man bei EWE sehr zufrieden mit dem Projekt. „Der E3 war ein voller Erfolg, sowohl mit Blick auf Forschung und Entwicklung als auch als Marketinginstrument“, meint Hermsmeier. Für den Energieversorger sollte der „E3“ von Anfang an mehr als ein Auto sein. Er sollte vor allem die Möglichkeit eröffnen, die Einbindung von E-Autos in das Stromnetz zu erforschen. Der Ansatz: Das Fahrzeug zieht Strom dann aus dem Netz, wenn ein Überangebot besteht. Wird das Auto nicht gebraucht, hilft die in den Akkus gespeicherte Energie, Engpässe in der Stromversorgung zu überbrücken.


Hilfreiche Erkenntnisse dazu erbringen sollte ein Elektroauto, das in den EWE-Planungen vor allem Pendler als Zielgruppe haben sollte. „Der E3 darf kein reines Stadtfahrzeug sein, er muss vier Plätze und einen Kofferraum haben“, erinnert sich Hermsmeier an die Vorgaben. Heraus kam ein Kleinwagen, der knapp 1500 Kilogramm auf die Waage brachte und je nach Modell 50 bzw. 79 PS unter der Haube hatte. Damit konnte eine Höchstgeschwindigkeit von 140 Stundenkilometern und eine Reichweite von maximal 170 Kilometern erreicht werden.

Im Alltag getestet wurden die Fahrzeuge vor allem von EWE-Mitarbeitern, die sie nicht nur auf dem Weg zur Arbeit, sondern auch bei Fahrten zum Einkauf oder zu Ausflügen genutzt hätten, so Hermsmeier. Im Schnitt legten die EWE-Elektroautos rund 15 000 Kilometer zurück.

Dabei gewann EWE nicht nur neue Erkenntnisse in Sachen Batteriemanagement und Netzintegration, sondern auch mit Blick auf die praktische Nutzung. „Die meisten Fahrer haben es zwar schön gefunden, wenn sie irgendwo eine Ladesäule gesehen haben, genutzt haben sie sie aber häufig nicht, sondern lieber zu Hause aufgeladen“, sagt Hermsmeier. Viele Nutzer hätten zudem berichtet, dass sie im Elektroauto viel weniger Radio hören würden. Sie hätten die Ruhe genossen und mit der Musik keine Motorengeräusche übertönen müssen.

Trotz des neuen Fahrgefühls, über das viele Nutzer berichten, ist die große Nachfrage nach E-Autos bislang ausgeblieben. Gerade einmal 2956 Elektroautos wurden 2012 in Deutschland neu zugelassen. „Ich sehe eine große Zukunft für die Elektromobilität, das reine Elektroauto wird aber noch Zeit brauchen, bis es sich etabliert hat“, meint auch Hermsmeier. In der nächsten Zeit gehe der Weg eher über Hybridfahrzeuge.

Keine Serienfertigung

Gedankenspiele zu einer Serienfertigung, die EWE-Vorstandschef Werner Brinker anfangs für möglich gehalten hätte, „wenn man aufgrund der Tests davon überzeugt ist, dass wirklich einige Tausend Kunden das Auto kaufen würden“, wurden dann bei dem Versorger auch schnell zu den Akten gelegt. „Uns hätte dazu auch die nötige Händler- und Werkstattstruktur gefehlt“, sagt Hermsmeier. Zudem hatte VW nach dem Einstieg bei Karmann wenig Interesse, das „E3“-Projekt weiterzuführen, sondern eigene E-Auto-Pläne.

Von den acht EWE-Elektroautos sollen die vier Fahrzeuge der ersten Generation nun „langsam ausgephast“ werden, wie Hermsmeier es nennt, sprich sie sollen zu Ausstellungsstücken hergerichtet werden. Die vier Autos der zweiten Generation sollen überprüft und weiter zu Forschungszwecken genutzt werden – allerdings mit deutlich weniger Rummel als zur Premiere im November 2009.

Jörg Schürmeyer
Jörg Schürmeyer Thementeam Wirtschaft
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