Sachsenhagen - Bekannt werden nur die spektakulären Fälle: Beinahe täglich entwischen Schlangen, Echsen und Schildkröten aus Wohnungen und Gärten oder werden gar von ihren Besitzern ausgesetzt. Die meisten Tierheime sind mit den Bedürfnissen der Reptilien überfordert, spezialisierte Auffangstationen oft überlastet. Der Deutsche Tierschutzbund sieht die Politik am Zug. Präsident Thomas Schröder: „Eigentlich müssten Bund, Länder und auch Kommunen Auffangstationen bauen, denn die lassen den Handel und die Haltung der Tiere in privater Hand immer noch zu.“

Tierheime berichten zunehmend von ausgesetzten und abgegebenen Exoten. Bei Hinweisen auf Verstöße gegen das Tierschutzgesetz beschlagnahmen Veterinärämter sie auch. Die Wildtier- und Artenschutzstation Sachsenhagen westlich von Hannover ist mit einer Fläche von 20 Hektar die größte ihrer Art.

Das Zentrum erhält jährlich 120 000 Euro vom Land Niedersachsen, dies ist etwa ein Drittel seines Etats. Der Rest wird mit Hilfe der Tierschutzorganisation Aktion Tier und über Spenden finanziert. 2450 Tiere wurden 2016 aufgenommen, darunter 300 Reptilien. Aktuell beherbergt das Zentrum 177 Schlangen, Echsen und Co. – insgesamt 54 Arten. „Viele Menschen kaufen für 20 Euro eine Boa oder Bartagame, sind aber nicht bereit, in ein Terrarium zu investieren“, beklagt der Leiter der Station, Florian Brandes. Der Fachtierarzt für Wildtiere plädiert dafür, dass angehende Reptilienbesitzer eine Sachkundeprüfung machen müssen – so wie es für Hundehalter mancherorts verlangt wird.