Darjeeling/Cloppenburg - Der Jeep schnauft die Straßen hinauf, bevor er im Vorder-Himalaya auf 2000 Metern Höhe zum Stehen kommt. Es ist bereits dunkel, als ich mit meinem Mitreisenden in der Stadt ankomme, der die vielleicht berühmteste Teesorte der Welt ihren Namen zu verdanken hat: Darjeeling. Auf dem Weg haben wir einige Teeplantagen passiert, doch im Ort selber deutet außer einigen Läden zunächst nichts auf die hiesige Teeproduktion hin.

Der Ort liegt auf dem schmalen Streifen, der die oft vernachlässigten Nordoststaaten Indiens mit dem restlichen Subkontinent verbindet. Im Süden kommt man schnell nach Bangladesch. Wenn man – wie wir – weiter über schmale Bergstraßen und durch idyllische Täler gen Norden fährt, erreicht man den winzigen indischen Bundesstaat Sikkim, der buddhistisch geprägt ist. Umgeben ist er von Nepal im Westen, der chinesischen Region Tibet im Norden sowie dem Königreich Bhutan im Osten.

Während Sikkim sich aufgrund grüner Wälder, wilder Wasserfälle und eines herrlichen Bergpanoramas vor allem durch Ruhe und Natur auszeichnet, ist Darjeeling weitaus geschäftiger. Die 120 000 Einwohner zeigen eine große ethnische Vielfalt, was sich in den gesprochenen Sprachen widerspiegelt: Neben dem örtlichen Bengali wird hauptsächlich Nepali und Tibetisch gesprochen. Die Einwohner sind freundlich und – anders als in der übervölkerten Hauptstadt Delhi – in der Regel zurückhaltend und manchmal sogar etwas schüchtern.

In der Hauptsaison profitieren viele Einheimische (auch) vom Tourismus, schließlich bieten sich bei klarem Himmel tolle Ausblicke auf die Achttausender des Himalaya. In der Nebensaison während des Monsuns trifft man jedoch kaum Ausländer.

In den Straßen der Stadt, die in unterschiedlichen Höhen verlaufen und nicht selten auch durch Treppen miteinander verbunden sind, herrscht reges Treiben, solange es hell ist. Fleischer verkaufen frisch geschlachtetes Hühnerfleisch, das teils über den noch lebenden, eingezwängten Tieren gelagert wird.


In kleinen, engen Verschlägen gehen die meisten Lebensmittel über den Tisch. Wer den Stadtkern allerdings verlässt, kommt schnell in die Natur, wo nur noch wenige kleine Häuser am Wegesrand liegen und sich die Teeplantagen erstrecken.

Der Reiseführer legt den Touristen das „Happy Valley“ ans Herz, wo der weltberühmte Tee seinen Ursprung hat. Vom asphaltierten Weg führt ein Pfad durch die Plantagen hinunter zur Fabrik. Auf unserem Weg dorthin sehen wir Teepflückerinnen bei ihrer Arbeit, die Blätter transportieren sie in riesigen Körben auf ihrem Rücken. Bei einer kostenlosen Führung durch die Fabrik sehen wir, wie die Teeblätter getrocknet und gepresst werden, ehe sie nach Kolkata (Kolonialname: Kalkutta) transportiert, dort verpackt und in alle Welt verschifft werden. Der im „Happy Valley“ produzierte Tee, erklärt man uns, ist ausschließlich für den Export bestimmt, weshalb im fabrikeigenen Laden ausschließlich in Kolkata verpackter Tee über den Tresen geht.

Im lebhaften Kolkata selbst, dem letzten Ort unserer Reise, liegen weite Grünflächen neben Kolonialbauten und engen, schmutzigen Gassen mit Bettlern und Tagelöhnern. Nach der Ruhe in den Bergen ist Kolkatas Rummel genau die richtige Vorbereitung auf das ähnlich pulsierende Leben, das mich in Delhi sofort vereinnahmt.