Ganderkesee - Vornehme Zurückhaltung bei Material und Farbe, schmale Silhouetten und filigrane Details – gerade die Merkmale, die ein Kleidungsstück oftmals zum Hingucker machen, sind bei der Garderobe von Faschingsmajestäten nicht gefragt. Für die Büttenabend-Bühne gilt: Klotzen statt Kleckern. Auch Zuschauer aus der letzten Reihe sollen das Prinzenpaar schließlich noch ohne Mühe erkennen können.

Sonja Fröhlich, seit der vorigen Session Hofschneiderin der GGV, musste sich in diesem Punkt ein wenig umstellen – hat die staatlich geprüfte Modedesignerin doch bislang vor allem galataugliche Abendmode sowie im Alltag tragbare Kleidungsstücke entworfen und geschneidert. „Bei den Faschingsroben darf ich sehr viel kreativer sein und experimentieren als bei klassischen Abendkleidern“, beschreibt die 35-Jährige den Unterschied.

Bei allen Unterschieden – auch das Schneidern für den Ganderkeseer Fasching ist vor allem eines: Handwerk. Und das hat Sonja Fröhlich von der Pike auf gelernt. Schon als 13-Jährige habe sie mit einer Freundin Modekataloge erstellt, erinnert sie sich an die Anfänge ihrer Leidenschaft für Stoffe und Schnitte. In professionelle Bahnen gelenkt wurde die Begeisterung fürs Entwerfen und Schneidern jedoch nach dem Abitur.

Zunächst ließ sich die gebürtige Wilhelmshavenerin zur Herrenschneiderin ausbilden, sattelte anschließend eine Ausbildung zur Damenschneiderin auf und studierte schließlich an einer Privatschule in Hannover Modedesign.

Ihre erste Anstellung fand sie am Stadttheater Wilhelmshaven. Doch der Wunsch, sich beruflich weiterzuentwickeln, war groß. Zehn Jahre lang arbeitete Sonja Fröhlich, die vor vier Jahren der Liebe wegen nach Heide zog, in drei norddeutschen Modeunternehmen als Designerin.


Sie sei in ihrem Beruf viel herumgekommen, erzählt Sonja Fröhlich. „Aber das hat mich irgendwann nicht mehr erfüllt.“ Auch private Leidenschaften wie der Reitsport standen immer hinten an. Außerdem habe ihr die praktische Arbeit an der Nähmaschine gefehlt, begründet Sonja Fröhlich ihren Entschluss, sich selbstständig zu machen.

Seit dem 30. November betreibt die Designerin nun ein kleines Atelier im Oldenburger Nikolaiviertel. Hier entwirft und schneidert sie Maßkonfektion im Kundenauftrag sowie eigene Kollektionen. In den vergangenen Wochen musste sich die Kundschaft jedoch ein wenig in Geduld üben. „Zur Zeit erledige ich nur kleinere Aufträge, ansonsten gehört der Dezember dem Fasching“, erklärt die Hofschneiderin.

In puncto Fasching hat Sonja Fröhlich, die 2010 den ersten Umzug um den Ring und 2011 den ersten Büttenabend in Ganderkesee erlebt hat, schnell Feuer gefangen. Vor allem das freundschaftliche Verhältnis zu den Prinzenpaaren und deren Ehrendamen sei es gewesen, was sie bewogen habe, sich in dieser Session erneut der Herausforderung zu stellen. Schließlich herrscht zwischen dem 11.11. und dem ersten Büttenabend enormer Zeitdruck. Neben den aufwendigen Roben für das Prinzenpaar müssen die Kleider der vier Ehrendamen gefertigt werden.

„Als die sechs auf die Bühne kamen – das war schon ein Erlebnis“, beschreibt Sonja Fröhlich ihre Erinnerung an den ersten Büttenabend dieses Jahres. Die Dankbarkeit, die ihr Jana Westermann, Volker Kreye und deren Ehrendamen entgegenbrachten, habe sie als größten Lohn empfunden. Zahlreiche Nachtschichten neben dem Hauptjob und der enorme Zeitdruck waren da vergessen. Zeitweilig habe sogar ihr Lebensgefährte Marcus Gangl assistieren müssen, erinnert sich Sonja Fröhlich.

Das neue Prinzenpaar Mattias Wienand und Jessica Unger weiß um den Stress, dem seine Schneiderin derzeit ausgesetzt ist. „Zur Eröffnung meines Ladens habe ich Entspannungstee bekommen“, verrät Sonja Fröhlich lachend.

Karoline Schulz
Karoline Schulz Redaktion Ganderkesee