Einswarden - „Wir ziehen nicht nach 100 Tagen, sondern nach knapp 100 Teilnehmern eine erste Bilanz“, sagt mit humorvollem Unterton Heinz May, Geschäftsführer von Zeit & Service. Die 1997 vom Landkreis gegründete GmbH zur Beschäftigungsförderung hat im Oktober vergangenen Jahres im neuen Nordenhamer Technologiezentrum an der Werftstraße in Einswarden eine neue Qualifizierungswerkstatt eingerichtet. Die Resonanz ist beeindruckend. Die Lehrgänge qualifizieren Fachkräfte, die in zunehmendem Maße nachgefragt werden.
Angeboten werden unter anderem Lehrgänge in Faserverbundtechnik. An den achtwöchigen Werkstattkurs schließt sich ein vierwöchiges Praktikum an. Dabei geht es sowohl um die Fertigung mit Glasfaser-Verbundwerkstoffen (GFK) als auch mit kohlestofffaserverstärkten Kunststoffen (CFK).
Die Qualifizierungswerkstatt ist in einer der beiden Hallen des im September vergangenen Jahres eröffneten Technologiezentrums untergebracht. Laut Geschäftsführer Heinz May gibt es eine ähnlich moderne Werkstatt weit und breit kein zweites Mal. „Hier glänzen wir nicht durch Größe, sondern durch Qualität.“
Rechnet man die etwa zwölf Teilnehmer des am kommenden Montag startenden neuen Kurses hinzu, sind es insgesamt 95 Lehrgangsteilnehmer seit Oktober vergangen Jahres – überwiegend ungelernte Arbeitssuchende.
Zertifikat der IHK
Jeder erfolgreiche Teilnehmer bekommt ein Zertifikat der Industrie- und Handelskammer. Mehr noch: Jeder bekommt ein Angebot für einen Arbeitsplatz.
90 Prozent der bisherigen Teilnehmer haben die Zertifikatsprüfung bestanden. Etwa 80 Prozent erfüllten anschließend auch hinsichtlich Mobilität und Sozialkompetenz die Anforderungen der Unternehmen und konnten das Angebot für einen Arbeitsplatz in Anspruch nehmen.
Die Nachfrage nach diesen Fachkräften für den Faserverbund-Leichtbau ist vor allem bei Unternehmen groß, die Komponenten für Windkraftanlagen fertigen. Heinz May: „Der Markt ist noch lange nicht gesättigt. Seit der Energiewende sind Windparks stärker gefragt und die Investitionen starten erst noch richtig.“ Alleine beim Windkraftanlagen-Hersteller Enercon in Ostfriesland seien zurzeit 600 Stellen unbesetzt.
Darüber hinaus sind Kunststoff-Werker auch im Flugzeugbau, so bei Premium Aerotec in Einswarden, und in der Werftindustrie gefragt. Ein Lehrgangsteilnehmer in Einswarden kam aus Dresden und hat anschließend eine Arbeitsstelle in seiner Heimat im Schienenfahrzeugbau aufgenommen.
Heinz May weist auch darauf hin, dass es sich um Industriearbeitsplätze von Unternehmen handele, die auch gerne weibliche Bewerber einstellen.
„Zunehmend erkennen Arbeitssuchende die Chance, die diese Lehrgänge bieten“, sagt Horst Wagner, Teamleiter für den Bereich Markt und Integration beim Jobcenter in Nordenham. „Mit einem so starken Zulauf in Einswarden hatte ich nicht gerechnet.“
Kaum Fehlzeiten
Ausbildungsleiter Stefan Grimm freut sich ebenfalls: „Wir hatten in den Lehrgängen bisher kaum Fehlzeiten. Alle haben motiviert mitgearbeitet. Die Prüfungsergebnisse waren durchweg gut.“
