Bockhorn - Trauer, Bestürzung, Fassungslosigkeit – nach dem Unglück am Wochenende auf dem Gelände der alten Ziegelei in Bockhorn sitzt der Schock immer noch tief. Zahlreiche Freunde und Verwandte kamen seit Samstag an das Tor der alten Klinkerfabrik und legten dort Blumen und Lichter in Gedenken an den verstorbenen 22-Jährigen ab.
In der Nacht zu Samstag waren der junge Mann und ein 19-Jähriger von einer Feier in der Nähe auf das Dach der Produktionshalle der stillgelegten Ziegelei geklettert. Beide brachen durch das Dach, wobei der 22-Jährige zehn Meter in die Tiefe stürzte und seinen schweren Verletzungen erlag. Der andere fiel nur wenige Meter und landete auf einem alten Ofen. Er konnte Hilfe holen.
Das Areal ist nach wie vor im Besitz der Wienerberger GmbH. 2009 wurde die Ziegelei in Bockhorn stillgelegt. Einige der alten Hallen werden heute vermietet.
Immer wieder Neugierig auf Ziegelei-Areal
Fakt ist, dass das Tor zum Ziegeleigelände verschlossen ist. Ebenso ist etwa der große Schornstein mit Bauzäunen abgesichert. Dennoch sind immer wieder Neugierige – besonders am Abend oder in der Nacht – auf dem Gelände anzutreffen, die sich die alten Industriegebäude genauer ansehen möchten. Hätte das Gelände noch besser abgesichert werden müssen?
„Wir sind bereits am Wochenende über den Unfall informiert worden und haben jemanden entsandt, der sich das Gelände noch einmal genauer anschaut und in Dialog mit den Behörden tritt“, sagte Wienerberger-Sprecherin Alexa Uplegger. Natürlich sei es für viele Menschen reizvoll, so eine Anlage zu besuchen, „aber man kann es auch nicht absichern wie Fort Knox“. Man tue nun alles, um den Fall genau aufzuklären.
Aber wie genau muss so ein Gelände überhaupt abgesichert sein? „Grundsätzlich muss jeder sein Grundstück so absichern, dass niemand bei betreten zu Schaden kommt“, erklärte ein Jurist auf Nachfrage der NWZ. Man müsse allerdings nicht damit rechnen, dass jemand auch auf das Dach klettere. Klar ist aber, dass die beiden jungen Männer mit Betreten des offenkundig abgesperrten Areals Hausfriedensbruch begangen haben.
Polizei geht derzeit von Unglück aus
Die Polizei ermittelt indes noch. „Wir prüfen die Ereignisse noch einmal genauer und legen unser Ergebnis dann der Staatsanwaltschaft vor“, erklärte Polizeisprecherin Andrea Papenroth. Die entscheide dann, ob noch weiter ermittelt werde. „Wir haben aber keinerlei Hinweise auf ein Fremdverschulden und gehen von einem tragischen Unglück aus.“
Auch, wenn es zu Fuß offenbar sehr einfach ist, auf das Ziegeleigelände zu kommen, hatte die Feuerwehr in der Unglücksnacht Probleme, an den Unfallort zu gelangen. Nicht nur, dass Randalierer Begrenzungspfähle an der Urwaldstraße herausgerissen und auf die Fahrbahn geworfen hatten, sodass die Einsatzfahrzeuge den Hindernissen ausweichen mussten. Das zweite Problem stellte das schwere Tor zum Gelände dar, das zunächst aufgehebelt werden musste. So mussten die Rettungskräfte die Strecke vom Tor zum Unglücksort im Laufschritt zurückzulegen.
