FALKENBURG - Für gut vier Monate keimte Hoffnung im Falkenburger Lutherstift – doch die wurde bitter enttäuscht: Nachdem sich die „Residenz-Gruppe“ (Bremen) als Investor zurückgezogen hat, ist die Schließung der Bildungsstätte unvermeidlich. „Ein bitterer, trauriger Schnitt“, sagt die Aufsichtsrats-Vorsitzende Jutta Wendland-Park resigniert.
Neun von 16 Mitarbeitern müssen bereits zum 31. März gehen, bei den übrigen werden die bereits im November übermittelten Kündigungen zum 30. Juni wirksam. Bis Ende April läuft der Betrieb noch, „danach beginnen die Abwicklungsarbeiten“, kündigt Geschäftsführerin Dr. Edith Aschenbrenner an. Sie ist ebenso enttäuscht und erschüttert wie Wendland-Park und die Vorsitzende der Mitarbeiter-Vertretung, Dagmar Heinze. Alle drei betonen, die Mitarbeiter hätten sich bis zuletzt bemüht – nun müssten sie feststellen: Es reicht nicht!
In Schieflage geraten war das Lutherstift schon im vergangenen Jahr. Nachdem die Buchungen für hauseigene Fortbildungsangebote dramatisch zurückgegangenen waren, schien die Schließung schon unvermeidlich, als überraschend die „Residenz-Gruppe“ Interesse an einem Einstieg in Falkenburg bekundete – ebenso überraschend kam nun deren Rückzug.
Bei den Verhandlungen sei „alles schon im grünen Bereich“ gewesen, sagt Aschenbrenner. „Es gab keine Anzeichen, dass das noch kippen könnte.“ Vor einer Woche habe der Investor dann mitgeteilt, dass er es sich anders überlegt habe. „Das hat uns richtig kalt erwischt“, so die Geschäftsführerin. Begründet worden sei der Rückzug mit wirtschaftlichen Bedenken – „für uns nicht nachvollziehbar“, meint Wendland-Park.
Die jetzige Geschäftsführerin der Rotenburger Werke war bis 2006 selbst als Vorsteherin fürs Lutherstift verantwortlich. Sie leitete seinerzeit noch den Neuanfang ein, als sich die evangelische Landeskirche Hannover aus Falkenburg verabschiedete – auch schon aus wirtschaftlichen Gründen. Unter einer Trägergesellschaft, zu der sich die Rotenburger Werke und der in Falkenburg ansässige Diakoniekonvent zusammenschlossen, wurde das Bildungsangebot stärker auf Pflegeberufe und Hospizarbeit ausgerichtet. Doch auch diese Veränderungen führten langfristig nicht in die Gewinnzone.
„Die Leute kommen einfach nicht mehr zu Fortbildungen aus ihren Einrichtungen“, weiß Dr. Edith Aschenbrenner. Oder wenn sie kommen, dann kürzer: „Früher liefen Fortbildungen über eine Woche“, erinnert sich Wendland-Park, „das gibt es heute nur noch ganz selten.“
„Wir sind nicht insolvent“, das ist Dr. Edith Aschenbrenner wichtig. Die Gesellschaft sei auch liquide genug, um für die gekündigten Mitarbeiter sozialverträgliche Lösungen zu finden. Daneben gelte es, Gebäude und Anlagen „in einem guten Zustand“ zu erhalten. „Die Zukunft ist offen“, sagen Aschenbrenner und Wendland-Park. Dass es eine Zukunft gibt, wollen sie aber nicht ausschließen. Vielleicht finde sich ja doch noch ein neuer Träger.
Ganz verloschen ist die Hoffnung offenbar noch nicht im Lutherstift.
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