FALKENBURG - Darf ein Kabberett-Stück das Thema Tod auf die Schippe nehmen – und dem Publikum auch noch humorvolle Tips geben, wie man demselben von ebendieser Schippe springt?

Scheinbar lautet die Antwort „Ja“. Denn genau diese ungewöhnliche Comedy bildete den Auftackt zu einer ansonsten ernsthaften „Werkstatt Trauer“ im Lutherstift.

Werkstatt zum fünften Mal

Bereits zum fünften Mal steht im Lutherstift das Thema Trauerbegleitung auf der Agenda. Bis Sonntag wird in Vorträgen und Workshops mit täglich wechselnden Themenschwerpunkten der Umgang mit dem schwierigen Thema „Trauer“ diskutiert.

Die Veranstaltungs-Reihe richtet sich in erster Linie an haupt- und ehrenamtliche Sterbe- und Trauerbegleiter verschiedener Träger. „Wir wollen ihnen Handwerkszeug mit auf den Weg geben und gleichzeitig das Thema Trauer enttabuisieren“, so Christine Stockstrom, Leiterin der Werkstatt Trauer.


Die Auftaktveranstaltung war allerdings sehr zur Freude der Gäste ausnahmsweise öffentlich. Das Bremer Theater „INTERAKTIWo“ präsentierte ein Stück mit dem lTitel: „Turne bis zur Urne“.

„Wollen Sie nicht sehen“

Bestatter Bergmann von Hurrelberg (Christine Renken) und seine Mitarbeiterin Frau Stein (Nina Arena) zeigten dem Publikum, dass es gute Gründe gibt, das Leben in vollen Zügen zu genießen. Auch in Zeiten der Trauer. Der schrullige Bestatter von Hurrelberg in Richtung Publikum: „Wir Bestatter wollen Sie noch lange nicht sehen.“

Es darf gelacht werden

Die beiden Darsteller zeigten eines deutlich: Beim Thema Trauer darf auch mal gelacht werden. Und es wurde gelacht. Zum Beispiel beim Auftritt des bekannten „Marlboro-Manns“, der als Werbemaskottchen für den amerikanischen Zigarettenkonzern am Ende seiner Berufszeit an Lungenkrebs erkrankt. „Die haben mir nicht gesagt, das Rauchen schädlich ist“, sagt das Maskottchen.

Christine Stockstrom hat die fünfte Werkstatt Trauer gemeinsam mit Christine Eilers und Antje Junghans-Maurer vorbereitet. „Auch bei den Seminaren darf gelacht werden. Lachen und Weinen gehören zusammen“, stellt Christine Stockstrom klar.

Großeltern trauern doppelt

Zum Programm gehört der Besuch einer Pflegeeinrichtung für Komapatienten in Barßel (Kreis Cloppenburg). Dieser Freitag steht im Zeichen trauernder Großeltern. „Sie trauern doppelt“, so Stockstrom. Sabina Sty aus Berlin hält dazu einen Vortrag mit dem Thema „Das Kind meines Kindes ist gestorben“.

Der Sonnabend ist praktisch ausgerichtet. Tagsüber gibt es Workshops zu Trauercafes und -Gruppen. Der Abend steht im Zeichen von Edith Piaf. Die französische Chansonsängerin wird in multimedialen Lesung gewürdigt. Die Veranstaltung ist öffentlich. Sie beginnt um 19.30 Uhr.

Die Werkstatt Trauer klingt am Sonntag spirituell aus. Zum Abschluss werden religiöse existentielle Fragen diskutiert. „Spätestens beim Ende eines Lebens tauchen diese Fragen auf“, sagt Christine Stockstrom. Es reiche jedenfalls nicht, mit dem Trauernden nur ganz banal über das „schlechte Wetter“ zu reden.