Vechta - Wenn Rudolf Cordes über das Oldenburger Münsterland redet, gerät er ins Schwärmen. „Hier boomt es an Kreativität und Wachstumsstärke“, sagt der Unternehmer aus Langförden (Vechta). Allein 2013 habe es in den Landkreisen Vechta und Cloppenburg mehr als 2200 Gründungen gegeben – und damit klar mehr als im Durchschnitt ganz Niedersachsens.

Doch längst nicht alle dieser jungen Firmen können sich durchsetzen. „Viele – gerade junge Unternehmen – haben eine gute Idee, können sie aber nicht umsetzen, weil Kapital oder Kredite fehlen“, sagt Cordes. Er weiß wovon er spricht, schließlich hat er selbst mehrere Firmen gegründet und sitzt seit mehr als 25 Jahren im Aufsichtsrat einer regionalen Bank.

Und genau bei diesem Gründungs-Schwierigkeiten will Cordes mit einem neuen Projekt namens Regio-Invest und einem besonderen Finanzierungsmodell, dem sogenannten Crowdinvesting (siehe Infobox), ansetzen: „Auf der Internetplattform von Regio-Invest können Gründer oder junge, wachsende Unternehmen ihre Projekte vorstellen und so nicht nur nötiges Eigenkapital generieren, sondern erhalten auch von Anfang an die Aufmerksamkeit potenzieller Investoren und Kunden.“

Im Detail soll es so gehen, dass in einer ersten Phase die jungen Unternehmer und Gründer mittels eines Kurzfilms ihre Idee potenziellen Investoren und Mikroinvestoren auf der Internet-Plattform von Regio-Invest vorstellen. Für fünf Euro erhalten Interessenten weitere Informationen wie Businesspläne und die Adresse.

Findet die Idee auf diese Weise genügend „Fans“ und Unterstützer beginnt die zweite Phase, das Crowdinvesting. „Investoren haben nun die Möglichkeit, in das Vorhaben zu investieren“, sagt Cordes. Ab 50 Euro können Mikroinvestoren einsteigen, erläutert er. Das obere Limit liege bei 10 000 Euro. „Das Risiko für das Kapital wird durch die sogenannte Schwarmintelligenz eingeschränkt, das heißt, erst wenn das Unternehmen eine festgelegte Investitionsschwelle erreicht hat, wird das Investment freigegeben“, so Cordes. Kommt nicht genug Geld zusammen, erhalten die potenziellen Investoren ihr Geld zurück.

Ausdrücklich betont Cordes, dass Regio-Invest selbst keine Bankgeschäfte macht, weil dies auch gar nicht zulässig sei. „Wir vermitteln nur und machen die Idee bekannt“, sagt er. Allerdings könne Regio-Invest in Zusammenarbeit mit den regionalen Sparkassen und Volksbanken dabei helfen, eine Eigenkapital - und Wachstumsfinanzierung aufzubauen. „Den Banken ist es aufgrund der Eigenkapitalunterlegung oft nicht gestattet, einen Kredit zu vergeben“, sagt Cordes. Erhalte eine Idee über Regio-Invest aber genug finanzielle Unterstützung, bekommen auch die Bankkunden eine solide Eigenkapitalstärkung, so dass die nächste Finanzierungsrunde abgesichert ist.


Abgesehen von einigen ethischen Grundsätzen gebe es bei den Gründungsideen, die auf der Internet-Plattform vorgestellt werden, keine Einschränkungen, so Cordes. Neben den zunächst drei Mitarbeitern begleite auch ein Beirat, bestehend aus Wissenschaftlern, Bankern und einem Rechtsanwalt, das Projekt, das zunächst allerdings auf das Oldenburger Münsterland beschränkt ist.

Ganz selbstlos agiert indes auch Regio-Invest nicht. Das Unternehmen kassiert einmalig fünf bis acht Prozent der gesammelten Crowdinvesting-Summe als Erfolgshonorar. Zudem kann auch das Projekt selbst auf der Plattform von Regio-Invest unterstützt werden.

Jörg Schürmeyer
Jörg Schürmeyer Thementeam Wirtschaft