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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Kommt jetzt die geheimnisvolle „797“?

13.07.2018

Farnborough Das hat es lange nicht gegeben: Wenn am Montag im britischen Farnborough eine der größten Luftfahrtmessen der Welt startet, könnte die Ankündigung eines neuen Boeing-Passagierjets alles andere in den Schatten stellen: Kommt ein neuer mittelgroßer Jet?

Der weltgrößte Flugzeugbauer aus den USA ringt auf der Schau wie üblich mit seinem europäischen Rivalen Airbus um Großaufträge. Die Branche ordnet sich derzeit neu – auch mit Blick auf aufstrebende Rivalen aus China und Russland.

Und dies sind damit auch schon die Hauptthemen für Farnborough. Südwestlich von London kommt vom 16. bis 22. Juli so ziemlich alles zusammen, was in der Luft- und Raumfahrtbranche Rang und Namen hat. 1500 Aussteller sollen präsent sein.

In Sachen neuer Flugzeugtypen könnte Farnborough diesmal das große Los gezogen haben. Schon seit Jahren denkt Boeing laut über den Bau eines neuen mittelgroßen Passagierjets nach, der die Lücke zwischen den kleineren Mittelstreckenjets und den Großraumflugzeugen füllen soll. Vergangenen Sommer brachte der Hersteller den Namen Boeing 797 ins Spiel. Der Jet könnte Platz für 220 bis 270 Passagiere bieten. Obwohl die Maschine kleiner wäre als Großraumjets wie Boeings „Dreamliner“, soll sie lange Strecken etwa über den Atlantik und darüber hinaus zurücklegen können – und dank moderner Triebwerke so sparsam sein, dass sich das für Fluggesellschaften rechnet.

Die Entscheidung für ein neues Modell ist bei Flugzeugherstellern von viel größerer Tragweite als etwa bei Autoherstellern. Die Entwicklung eines neuen Flugzeugs dauert Jahre und verschlingt Milliardensummen. Üblicherweise wird ein Modell mehrere Jahrzehnte lang gebaut. Würde es ein Ladenhüter, wäre der Schaden immens.

Schon deshalb ist man bei Airbus froh, das von Boeing entdeckte Marktsegment in der Mitte schon einigermaßen abgedeckt zu haben. Airbus hat seinem kleineren Großraumjet A330 eine Verjüngungskur spendiert. Und vom größten Mittelstreckenjet A321neo haben die Europäer eine Langstreckenversion entwickelt, die bis zu 4000 nautische Meilen (7400 Kilometer) zurücklegen kann – und künftig noch mehr schaffen soll. Boeing hatte für seinen neuen Flieger zuletzt rund 5000 nautische Meilen ins Auge gefasst.

Um die Bestellungen der Airlines werden beide Hersteller ringen müssen – wenn Boeing den Flieger tatsächlich baut. Dass es etwas Großes zu verkünden gibt, hat der US-Konzern mit einer Einladung für Sonntag (15. Juli) angedeutet. Zum Vorgespräch am Tag vor der Messe soll diesmal Boeing-Chef Dennis Muilenburg kommen. Sonst überlässt der Manager diesen Termin seinem Spartenchef.

Weiteres großes Thema in Farnborough: Die wichtigsten Hersteller etwas kleinerer Flugzeuge landen bei großen Partnern. So hat Airbus vom angeschlagenen kanadischen Hersteller Bombardier die Mehrheit an dessen Mittelstreckenjet C-Serie übernommen – und vermarktet ihn jetzt als Airbus A220. Und Boeing will der brasilianischen Embraer die Mehrheit an deren Verkehrsflugzeug-Sparte abkaufen. Durch beide Deals werden die Großen der Branche noch größer.

Zugleich sind in Russland (MS-21) und China (Comac C 919) neue „Player“ im Markt für Großraumjets am Start. Auf Messen im Ausland waren die Maschinen aber noch nicht zu sehen – dazu war es nach Testflügen zu früh.

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Airbus S. A. S. | Boeing | Bombardier | Embraer

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