Hannover - Für die einen ist es ein normaler Vorgang, für die anderen ein Skandal und der Verlust wirtschaftspolitischer Kompetenz. Die Rede ist vom Niedersächsischen Institut für Wirtschaftsforschung (NIW) in Hannover. Die niedersächsische Landesregierung hatte – bereits Ende 2014 – das Ende der Förderung zum Jahresende 2016 angekündigt, was von der oppositionellen FDP stark kritisiert wird. „Das NIW gehört zu den renommiertesten Wirtschaftsforschungsinstituten bundesweit und hat sich im Laufe von mehr als drei Jahrzehnten zu einem wichtigen Ansprechpartner und Berater für alle an ökonomischer Expertise Interessierten in Niedersachsen entwickelt“, sagt Jörg Bode (MdL), bis 2013 Wirtschaftsminister. Bode hatte die Förderung des Landes für das NIW noch auf 580 000 Euro verdoppelt.
Für das Wirtschaftsministerium unter Minister Olaf Lies (Sande, SPD) ist es jedoch nicht Aufgabe der Wirtschaftsförderung, Grundlagenforschung zu finanzieren. „Bereits im Jahr 2014 ist dem Institutsleiter deshalb mitgeteilt worden, dass das Wirtschaftsministerium sich nicht in der Pflicht sieht, ein Grundlagenforschungsinstitut zu finanzieren, sondern vor allem Wert legt auf Technologietransfer und Regionalökonomie. Daher hat das Wirtschaftsministerium angekündigt, die Förderung zurückgefahren und mittelfristig ganz zu beenden. Dies ist nun der Fall“, sagte Sprecherin Sabine Kaune-Schlemmer auf Anfrage dieser Zeitung. Der Institutsleiter Prof. Dr. Stephan Thomsen sei in Gesprächen mit der Universität Hannover, um die Forschung des NIW künftig unter dem Dach der Universität fortzusetzen. Die meisten der einst mehr als drei Dutzend Mitarbeiter haben das NIW bereits verlassen. Für die noch 15 Verbliebenen hat die Jobsuche begonnen.
