Jever - Pause machen beim Windkraft-Ausbau, Position bestimmen und überlegen, wo es eigentlich hingehen soll: Laut Dr. Gero Hocker, Generalsekretär der FDP Niedersachsen und umweltpolitischer Sprecher der Landtagsfraktion, ist das dringend notwendig. „Die Energiewende ist ein Megaprojekt ohne Strategie und Projektleiter“, hat Jevers FDP-Chef Hendrik Theemann festgestellt.
Am Dienstagabend verschaffte sich Hocker mit Jevers Freien Liberalen sowie Udo Cremer und Babette Burchards von den Bürgerinitiativen „Weitblick Sandelermöns“ und „Lebenswertes Jever“ einen Überblick darüber, was auf jeverschem Gebiet zurzeit an neuen Windparks in Planung ist.
Wie berichtet, gibt es Potenzialflächen für insgesamt 20 Windräder im Bereich Grappermöns-Sandelermöns-Sandel und in der Clevernser Sietwendung. „Sie haben ganz schön viel Landschaft hier“, meinte Hocker beim Blick von Hoyerskamp Richtung Norden. Dort wird die Hofstelle nach Plänen der Windpark-Gesellschaft von drei Windrädern in 500 Metern Entfernung eingerahmt: Eins soll im Norden stehen, eins im Nordwesten und eins im Westen.
Hocker erinnerte daran, dass sich der Dachverband der Windkraftgegner, der Verein „Vernunftkraft Niedersachsen“, einst in den Fraktionsräumen der FDP im Landtag gegründet habe.
Die FDP lehnt den Bau weiterer Windräder in Niedersachsen ab, so lange die Frage der Speicherung von Energie nicht geklärt und die Netze nicht ausgebaut sind. „Denn egal, ob der von Windrädern produzierte Strom gerade gebraucht wird oder verpufft: Er muss bezahlt werden“, bemängelt Hocker. Das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) mit für 20 Jahre festgeschriebener Einspeisevergütung fördere den Wildwuchs. „Hier in Jever ist gut zu erkennen, welche Auswirkungen die Energiewende haben kann“, meint Hocker.
Auf jeverschem Stadtgebiet sind zurzeit Windräder mit mehr als 29 Megawatt Leistung installiert, in ganz Friesland drehen sich Rotoren mit 224 Megawatt Leistung. „Das vom Land gesetzte Soll von 100 Megawatt Leistung ist damit weit übererfüllt“, erklärte Udo Cremer.
Die beiden Bürgerinitiativen sehen sich in ihren Forderungen von Hocker bestätigt, der darauf hinwies, dass es nicht nur für die Betreiber von Windkraftanlagen Bestands- und Investitionsschutz geben dürfe, sondern dass auch Hausbesitzer ein Recht auf den Schutz des Werts ihres Eigentums haben. Denn eine Sorge der Windpark-Gegner ist, dass ihre Häuser durch die nur 500 Meter entfernt geplanten Windräder an Wert verlieren oder gar unverkäuflich werden.
Und noch etwas fordern die Liberalen: „So lange nicht geklärt ist, ob und welche Gesundheitsschäden Windräder beim Menschen verursachen, dürfen keine weiteren Windkraftanlagen gebaut werden“, betonte Gerhard Werber.
