FEDDERWARDERSIEL - Große Eurokutter bereiten Probleme. Sie verderben die Preise.

Von Horst Lohe

„Bisher sind wir mehr schlecht als recht über die Runden gekommen. Krabbenfischerei ist Restefischerei und das ist das Problem. Wir müssen irgendwie eine Bremse ziehen. Mich ärgert, dass immer die kleinen Fischereibetriebe draufgehen.“ Das sagt Dirk Sander aus Neßmersiel, Präsident des Landesfischereiverbandes Weser-Ems und Vorsitzender der Erzeugergemeinschaft Weser-Ems.

Der Krabbenfischer beobachtet mit großer Sorge, dass zunehmend große, so genannte Eurokutter sich in den Revieren der Krabbenfischer tummeln. Die Fangquoten für Kabeljau oder auch Scholle seien reduziert worden. Dies versuchten die großen Kutter auszugleichen durch Krabbenfang. Krabben gebe es genug und sie könnten bis zu 40 Seemeilen vor der Nordseeküste gefangen werden.

Auch wenn ihr Preis wegen großen Angebotes sinke, zahle sich der Fang für diese großen Kutter aus, weil es bei ihnen die Menge mache. Die kleinen, nur auf Krabbenfang ausgerichteten Krabbenkutter dagegen müssten durch geringere Erlöse herbe Einbußen hinnehmen.


„Das ist ein strukturelles Problem, das sich verheerend auswirken wird. Da kann eines Tages auch eine so kleine Genossenschaft wie diese in Fedderwardersiel kaputt gehen“, diagnostiziert Dr. Peter Breckling, Generalsekretär des Deutschen Fischereiverbandes (Hamburg). Im Vorjahr hätten die Betriebe Erlösrückgänge von bis zu 30 Prozent hinnehmen müssen.

Der Niederländer Johan K. Nooitgedagt, Vorsitzender der europäischen Vereinigung der Krabbenfischer-Erzeugergemeinschaften (Sitz: Oldenburg), sieht Probleme auch darin begründet, dass nicht alle 500 Krabbenfischer in Europa Mitglied der Vereinigung sind, nicht alle mitziehen, es an Solidarität fehlt, um den Verwerfungen des Marktes zu begegnen.

Auf die Gesamtverantwortung der Fischer und des Handels weist hin: Dr. Tjeerd C. de Groot, Botschaftsrat für Landwirtschaft an der Botschaft des Königreiches der Niederlande in Berlin.

Sie alle sind zusammen mit dem künftigen Präsidenten des Deutschen Fischereiverbandes, dem aus Burhave stammenden SPD-Bundestagsabgeordneten Holger Ortel, nach Fedderwardersiel gekommen. Hier starten sie eine Küstenbereisung, die sie über Bremerhaven, Cuxhaven, Büsum, Heiligenhafen bis nach Rügen führt.

Europas 500 Krabbenfischer landen jährlich rund 35 000 Tonnen an. Die zehn aktiven der Butjadinger Fischereigenossenschaft landen in Fedderwardersiel jährlich rund 500 Tonnen an. Über ihre noch eigenständige Genossenschaft informierten Geschäftsführer Ingo Krüger und 2. Vorsitzender Dirk Schmidt.

Holger Ortel hält europaweite Marketingkampagnen für nötig. Denn: „Die weltweite Einzigartigkeit des Lebensmittels Nordseekrabbe wird verkannt.“

Zum strukturellen Problem der Krabbenfischer ergab das Gespräch in Fedderwardersiel dieses einhellige Fazit: Der deutsche Gesetzgeber und die anderen nationalen Gesetzgeber der Nordseeanrainer sind gefordert, ihre Fischereigesetze zu ändern. Ziel muss sein, Lizenzen zu vergeben für den Krabbenfang.

Damit soll die Zahl der Fahrzeuge begrenzt werden, die berechtigt ist, Krabben zu fangen. Die Eurokutter sollen nicht in die Krabbenfischerei eindringen dürfen. Peter Breckling: „Es geht nicht um Protektionismus oder Planwirtschaft, sondern um gleiche Wettbewerbs-Chancen.“