FEDDERWARDERSIEL - FEDDERWARDERSIEL - Den Nährwert von Fisch im Allgemeinen stellte gestern humorvoll SPD-Bundestagsabgeordneter Holger Ortel heraus: „Fisch schmeckt gut. Fisch ist gesund. Fischesser sind – da können sie meine Frau fragen – die besseren Liebhaber.“

Grünen-Landtagsabgeordnete Ina Korter aus Nordenham präzisierte prompt mit direktem Bezug zum Kutterhafen Fedderwardersiel, wo jährlich rund 500 Tonnen Krabben angelandet werden: „Krabbenesser sind auch gute Liebhaber.“ Peter von Häfen, Geschäftsführer der Butjadinger Fischereigenossenschaft, steuerte diesen Spruch bei: „Ein paar Fedderwardersieler Krabben täglich halten deinen Mann beweglich.“

Eine launige Jubiläumsfeier mit mehr als 200 geladenen Gästen gab‘s gestern im Betriebsgebäude der Butjadinger Fischereigenossenschaft in Fedderwardersiel. Auf den Tag genau vor 75 Jahren gründeten sechs Fischer und ein Kaufmann das genossenschaftliche Unternehmen mit dem Ziel, ihre Fänge besser zu vermarkten.

1960 belieferten noch 20 Kutter aus Fedderwardersiel, zehn aus Burhaversiel und vier aus Waddensersiel die Genossenschaft. 1982 schlossen sich die Vareler Fischer an. Obwohl die Kutter-Zahl zurück ging, pendelte sich die Fangmenge auf jährlich etwa 500 Tonnen Nordseekrabben ein – weil die Fangstärke der Schiffe auch dank verbesserter Ausstattung zunahm.

Heute gehören der Genossenschaft zehn aktive Krabbenfischer an – drei aus Varel (darunter ein Nebenerwerbsfischer) und sieben, für deren Kutter Fedderwardersiel der Heimathafen ist. Der Jahresumsatz liegt bei drei Millionen Euro. Die Genossenschaft beschäftigt im Jahresschnitt 15 Mitarbeiter.


1. Vorsitzender ist der Vareler Fischer Hans Schröder, 2. Vorsitzender der Burhaver Dirk Schmidt, 3. Vorsitzender der Burhaver Manfred Wefer. Seit 34 Jahren führt Peter von Häfen (59) die Geschäfte.

Der Geschäftsführer des Deutschen Fischereiverbandes, Dr. Peter Breckling (Hamburg) sprach gestern jedem Fischer und seiner Frau Anerkennung und Achtung aus dafür, dass sie seit vielen Jahren zum Erfolg der Genossenschaft beitragen.

Von waschechten Familienbetrieben sprach Dr. Wolfgang Hagena, Leiter des staatlichen Fischereiamtes in Bremerhaven. Er spielte auch auf den bereits vollzogenen Generationswechsel an: Die Fischersöhne hätten ihre Väter im Ertrag deutlich abgehängt – was die Väter ehre, denn das sei dank ihrer guten Ausbildung erreicht worden.

Die Krabbenfischerei bezeichnete Wolfgang Hagena als die umweltverträglichste Nutzung der Meere. Begründung: Die Netze der Fischer gleiten mit ihrem Rollengeschirr über den Boden hinweg und dringen nicht in den Boden ein. Zudem geben die Siebnetze unerwünschten Beifang sofort wieder frei.

Der Experte prognostizierte weiterhin gute Fänge. Seinen Angaben zufolge war 2005 ein Rekordjahr. Die etwa 135 Fischereibetriebe an der niedersächsischen Küste landeten 8843 Tonnen Nordseekrabben an und machten einen Umsatz von 23,22 Millionen Euro – beides ein Rekord.

Während der Fangertrag insgesamt um 22 Prozent anstieg, waren es in Fedderwardersiel sogar 33 Prozent.

Diese Erfolge im Jahre 2005 seien aber auch bitter nötig gewesen, weil in den Jahren 2003 und 2004 die Erzeugerpreise im Keller verharrten und die Umsätze deshalb katastrophal waren.

Die Prognosen für die Zukunft sind laut Hagena gut, weil Kabeljau und Wittlinge als Fressfeinde der Krabben nicht mehr vorhanden sind und die Mengen-Absprachen der Vereinigung der Erzeugergemeinschaften greifen. Der Fischereiexperte gab den Gästen der Jubiläumsfeier gestern in Fedderwardersiel als Empfehlung mit auf den Weg: „Muscheln, Krabben und Seefische sind die saubersten Lebensmittel in Deutschland.“