FEDDERWARDERSIEL - Seit 4. Mai führt Dennis Westphal die Geschäfte der Butjadinger Fischereigenossenschaft in Fedderwardersiel. „Wir sind völlig im Umbruch und versuchen neue Märkte zu erschließen“, berichtet der 36-Jährige im Gespräch mit der NWZ . Erste Erfolge sind aus seiner Sicht bereits erreicht.

Der gebürtige Rodenkircher und gelernte Steuerfachangestellte, der mit Ehefrau und Tochter in Oldenburg wohnt und dort die nächsten Jahre bleiben möchte, hat sich an seinem neuen Arbeitsort „sehr gut eingelebt“.

Zum Hauptansprechpartner für Kunden hat er den langjährigen Mitarbeiter Jens Ortel gemacht. Westphal: „Wir betreiben Marketing aktiv und agressiv. Wir gehen auf die Kunden zu.“

Zurzeit seien die insgesamt 25 bis 30 Mitarbeiter, davon 15 fest angestellte, „zu 120 Prozent ausgelastet“, sagt der Geschäftsführer. Er lobt „sehr hohen Einsatz und Leistungsbereitschaft“. Der Geschäftsführer räumt ein: „Für mich und die Genossenschaft vollzieht sich ein völliger Neuanfang, der nicht allen in der Region gefällt. Die Fischer taten sich anfangs auch schwer. Der Umbruch ist aber von allen Seiten gewollt, auch von den Mitarbeitern.“

Zu den erfolgreichen Zwischenergebnissen zählt der Geschäftsführer:


Die Genossenschaft hat einen neuen Fischlieferanten aus Holland. Geschäftsführer Westphal: „Jetzt können wir zum ersten Mal günstig mithalten, weil der Zwischenhandel im Fischereihafen in Bremerhaven für uns entfällt.“ Damit sollen auch Restaurants in Butjadingen als Kunden der Genossenschaft zurückgewonnen werden. „Das wird zurzeit gut angenommen“, sagt der Geschäftsführer.

Das Butjadinger Unternehmen will seinen Verkaufsbereich ausweiten auf Oldenburg, Ammerland, Cuxhaven, Friesland und Wilhelmshaven. Westphal: „Damit handeln wir nicht nur mit Krabben und Angeboten in unserem eigenen Laden in Fedderwardersiel, sondern darüber hinaus mit Fisch.“

Schon 2008 hat die Genossenschaft in Fedderwardersiel auf die Nachfrage der Endverbraucher nach in Fedderwardersiel und nicht in Polen oder Marokko geschältem Krabbenfleisch reagiert. Die Krabbenschälmaschinen der Genossenschaft wurden wieder ausgelastet und zusätzliche so genannte Nachsucher eingestellt. Obwohl dieses Krabenfleisch teurer ist als das in Polen oder Marokko geschälte, ist es in Fedderwardersiel stärker gefragt, einfach weil es frischer ist und dem Endverbraucher besser schmeckt.

Seit Juni ist laut Geschäftsführer der Umsatz mit Großkunden (Fischindustrie) wesentlich gesteigert worden. Die Folge: Die Genossenschaft benötigt mehr Krabben als ihre Mitglieder anlanden. Zwei Fischer aus Varel und fünf Butjadinger gehören der Genossenschaft an. Geschäftsführer Westphal: „Wir führen Gespräche mit weiteren Fischern, die uns Granat liefern können.“

Die elektronische Datenverarbeitung ist erneuert worden. Ein neuer Personalraum wird eingerichtet. Zur Reinigung geleerter Granatkisten soll eine so genannte Wannenwaschanlage angeschafft werden, die Handarbeit ersetzt.

Die Genossenschaft steht im Prozess der Zertifizierung, welche Nachhaltigkeit der Fischerei anerkennt.

Fahrzeuge werden nicht mehr in Bremerhaven, sondern in Butjadingen repariert. Geschäftsführer Westphal: „Nur zusammen können wir etwas schaffen.“

Es wird – wie bereits berichtet – keine Kutterregatta mehr geben. Ersatz: ein Sielfest am Kutterhafen.